Mein unbändiger Wunsch, ihr mein ganzes Leid ungefiltert und schwallartig vor die Füße zu kotzen, scheitert am Alkoholgehalt meines Leitungswassers, welcher mindestens 45% unter dem liegt, was ich eigentlich gerne in meiner Halbliterflasche hätte.
So rede ich unzusammenhängend von Hunger, selbst zugefügtem Schmerz und tausend Dingen dazwischen in der wahnwitzigen Hoffnung, auf so etwas wie Verstehen zu stoßen und pralle mehr als unsanft an Selbsterklärungversuchen über WeightWatchers und an etwas Anderes denken ab.
Zum Glück merke ich das kaum, weil einfach irgendwer redet, während ich mich – selbst von mir unbemerkt – um den ganzen Rest kümmere, der eigentlich gerne reden würde.
Als sie geht, bedaure ich die aktuelle Trockenheit einmal mehr und hasse es, noch etwas essen zu müssen, um Erwähnenswertes weiterhin aufrechtzuerhalten. Am liebsten würde ich dabei in Schatz hineinkrabbeln und meinen freien Tag morgen genau dort verbringen. Mit meiner Rasierklinge.
Irgendetwas in mir wimmert leise.
Monat: Juni 2021
Abserviert
Ich kann mich an jede einzelne Komponente meines Abendessens erinnern. Die Aubergine aus dem Ofen. Den Salat aus unserem Garten mit Galiamelone, Dill und Bockshornkleesprossen. Das Brot, einmal nackt, einmal mit veganem Aufstrich und einmal mit Hüttenkäse, Senf und Kresse. Und dem winzigkleinen Streifen Almkäse direkt vom Erzeuger, den ich erst geschlagene fünf Sekunden angstarre, bevor ich ihn von Schatz annehme und ihn auch auf mein Brettchen lege.
Ich weiß auch, wie ich alles esse und wie es schmeckt. Die Aubergine. Der Salat. Das Brot. Den Käse dagegen hat mein Gehirn gelöscht. Ich weiß, wie ich ihn in die Hand nehme. Und wie ich anschließend das nackige Brot esse. Und wie es schmeckt. Dazwischen? Nichts. Deleted.
Wenigstens zickt Rosa dann nicht so rum.
Destillat
Mir einzugestehen, dass Trocken sein manchmal nichts mit flauschigen Badetüchern zu tun hat, lässt ebenjene seltsam kratzig erscheinen.
⦁
Ginvoll ist dieser Beitrag jetzt nicht.
Erwähnenswertes
.kein Pflaster
.keine Notwendigkeit für eines
.eine seit 1 1/2 Wochen auch an Schatz kommunizierte Kaloriensteigerung
.Rosa, die sich freut, dass es dennoch zu wenig sein und weiterhin hübsch kontrolliert wird
.ich, die ich den wahrscheinlich bloß zyklisch bedingten Fast-Stillstand auf der Waage kritisch beäuge
Chroniken
Genau genommen fühlt sie sich nicht besonders besonders.
Ja, sie hat Flügel. Aber das haben auch die vom stetigen Geräusch rieselnden Glitzers umgebenen kleinen zarten Feenwesen, die jeder zu beschützen versucht und die aus sich selbst heraus leuchten. Oder die stolzen, unnahbaren Engel, vor denen die Anderen ehrfürchtig zurückweichen und nichtmal in Betracht ziehen, sie zu behelligen, selbst wenn sie ihre Flügel geschlossen auf dem Rücken tragen.
Aber sie ist einfach nur…ein Flügelwesen. Undefiniert.
Flügelwesen
Nass und schwer vom Blut zu vieler Kämpfe hängen ihre Flügel an ihrem Rücken herab und hinterlassen kleine rote Gräben im Sand des Weges, der das Gehen so mühsam macht.
Auf wunden Füßen folgt sie möbiusgleich ausgetretenen Pfaden, hinter deren nächster Biegung sie stets das Paradies erhofft, aber nur altbekanntes Unheil findet.
Müde vom Kampf das flammende Schwert dennoch unbeugsam erhoben, bereit für die nächste Schlacht, die unweigerlich kommen wird. Eine einsame Kriegerin, verdammt zum ewigen Kampf gegen den grausamsten aller denkbaren Gegner. Immer wieder trifft sie auf niemanden außer sich selbst und die Frage, wer wohl diesmal als Gewinner daraus hervorgehen wird.
Nass und schwer vom Blut zu vieler Kämpfe hängen ihre Flügel an ihrem Rücken herab und hinterlassen kleine rote Gräben im Sand des Weges, der das Gehen so mühsam macht.