Legalisierung

Die Entflechtung meiner Leidensfähigkeit von der korrespondierenden –willigkeit erscheint mir enorm wichtig, um den leider nötigen verfrühten Feierabend nicht als persönliches Versagen zu werten, sondern den freien Nachmittag als genau das zu fühlen, was er sein soll.
Zugegeben, ich bin selbst erstaunt, als nach neuem Framing am Ende sogar ein paar Prozent mehr auf meiner Akkuanzeige stehen – ein Grund mehr, meine verringerten Wochenstunden schlichtweg zu feiern.

Bekekst starte ich ins Wochenende, und auch wenn die Dosis dieses Mal dann doch zu hoch war, um es noch alltags(wochenend)tauglich zu nennen und finde den Effekt auf meine Synapsen am nächsten Tag einfach phänomenal. So müssen sich normale* Menschen fühlen, es ist einfach irgendwie aufgeräumter in meinem Kopf.

* gibt’s nicht, weiß ich. aber you know what I mean.

Apodikt

Die jüngste Demonstration hätte mich eines besseren belehren sollen. Hat sie nicht. Offensichtlich. Anders erklärt sich nicht, warum ich wider besseren Wissens ein Foto des Wischs der Bereitschaftspraxis mit der auf Lyme-Borreliose lautenden Diagnose an die kleine Familiengruppe sende und tatsächlich etwas anderes als das sprachliche Äquivalent blauer Häkchen erwarte. Dummes ich.

Resonanz

Es ist Oktober und unsere Obstbäume blühen ins Angesicht einer munter weiter vor sich hineskalierenden Welt, die ich aller gesellschaftlichen Verantwortung zum Trotz zum Erhalt meiner kleinen Fluffblase schlichtweg zu ignorieren versuche.
Der Spr(i/e)ngteufel und ein Kollege machen mir aber einen Strich durch die Rechnung, gefüttert durch die Blauzahnverbindung im neuen Auto, so dass es nun Lieblingsmusik spielen kann. Das Resultat mag weder die Fluffblase, noch ich, weil es Dinge hochholt, die nicht umsonst – und ohne Beschriftung – in die Kiste gestopft sind.
Mit Einfahrt in die Garage und gezogenem Schlüssel sitzt aber wieder jemand brav auf dem Deckel und ich wiege mich in trügerischer Sicherheit. Bis um 3 Uhr morgens, als mein Gehirn plötzlich der Meinung ist, jetzt wäre doch auch wieder ein hervorragender Zeitpunkt, um weiter über den Kollegen nachzudenken, der gerade wild entschlossen ins Burnout rennt, so dass meine Empathie dabei im Dreieck springt, natürlich wiederholt die Gefühlskiste anrempelt und Inhalt unkontrolliert rausschwappt.
Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich ihn oder vielmehr mich retten will, wenn ich im Kreis über Möglich- und Notwendigkeiten nachdenke. Und ob ich nicht doch mal die Kiste aufräumen soll.

Dezibel


Ungefähr eine Million Ameisen latschen emsig auf unserer Terrasse herum und krabbeln hoffentlich nicht an meinen Beinen hoch. Den Job übernimmt schon Mieze, auch wenn ihr – wie mir – schnell zu warm wird und sie sich auf den Tisch neben mir legt. Danke.
Aber nicht nur daran kann man Frühling! auf dem Land erkennen, nein! Viel eher an Nachbar 1, der in der Früh seinem Hochdruckreiniger etwas Sonne gönnt. Oder an Teilzeitnachbarin 2, die ihrem Rasen mittels Mäher Einhalt gebietet. Und nochmal an Nachbar 1, der das natürlich nicht einfach so auf sich sitzen lassen kann und nun ebenfalls seinem Mäher Auslauf gewährt. Oder auch Schatz, der dem Stammholz vor dem Haus mit der Kettensäge zu Leibe rückt, so dass ich ebenjene weder zur Kalmierung etwaiger Nachbar:innen noch deren Gartengeräten verwenden kann.
Und dennoch sitze ich hier, genieße den leichten – wahlweise nach Abgas, Rasenschnitt, Fichte oder auch mal nichts! duftenden – Wind und finds geil. Weil, Frühling! Und, jetzt gerade! Nur Vögelchen 💜