56 – Ich leiste, also bin ich

“Eigentlich“ …

  • … bin ich gerade nicht bei 100% meiner Leistungsfähigkeit
  • … hatte ich mir vorgenommen, bei der Arbeit bewusst etwas langsamer zu machen
  • … wollte ich mir kleine Pausen gönnen
  • … wollte ich von meinem Chef und meinen Mitarbeitern mehr Unterstützung einfordern
  • … wollte ich jeden Tag einigermaßen pünktlich Feierabend machen

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55 – Grenzen

Meine körperlichen Grenzen kann ich beim Sport inzwischen gut einschätzen. Wenn ich z.B. auf meinen CrossTrainer steige, lasse ich meinen Körper entscheiden, wie schnell er heute radeln möchte. Klingt vielleicht esoterischer, als es ist. Meine Beine radeln los, und die erste Geschwindigkeit ist genau die, die ich an dem Tag gut durchhalten kann. Die letzten Minuten einer Trainingseinheit steigere ich dann bewusst das Tempo, denn ich möchte meine Ausdauer erweitern. Als ich mir den CrossTrainer gekauft hatte, wollte ich anfangs selbst über die Geschwindigkeit bestimmen, und quälte mich bloß. Jetzt habe ich diesen Modus gefunden, der wunderbar funktioniert. Und wenn ich mal nicht so schnell unterwegs bin, respektiere ich das.

Meine psychischen Grenzen meine ich ebenfalls zu kennen. Aber respektieren kann ich sie nicht, stattdessen bekämpfe ich sie. Nicht immer bewusst, aber mit einer Ausdauer, die mich nur kopfschüttelnd zurücklässt, wenn ich genauer darüber nachdenke. Zur Zeit fällt es mir besonders auf. Ich bin gerade “eigentlich“ nicht 100% belastbar – wenn es 50% sind, ist es wahrscheinlich schon viel. Sei es mengenmäßig (an Aufgaben, die ich scheinbar freiwillig übernehme = Druck), oder emotional (da ganz besonders). Zuhause achte ich zumindest ein bisschen darauf, aber in der Arbeit schaltet mein EgoState Orange auf Durchzug. Ignoriert meine immer lauter rauschenden Ohren, nimmt eine Schmerztablette nach der anderen (Kopf- und Rückenschmerzen), und gibt die üblichen 110%. Abends kann ich dann nur noch totmüde auf die Couch fallen und stecke mal wieder im Arbeiten-Essen-Schlafen-Hamsterrad.

Eine tagtägliche, selbstgemachte Grenzüberschreitung, aus der ich irgendwie nicht entkomme. Statt es allen anderen recht machen zu wollen, könnte ich damit mal bei mir anfangen…

53 – Meinungsverschiedenheiten

Da sind sie wieder. Meinungsverschiedenheiten zwischen meinen States, Inkonsistenzen. Am Donnerstag hatte ich wegen der Schlaftabletten eine einigermaßen erholsame Nacht. Auch für die Nacht auf Freitag habe ich eine genommen, aber am Wochenende wollte ich es ohne versuchen. So lag ich in der Nacht auf Samstag dann doch mehr wach, als dass ich geschlafen hätte, und die letzte Nacht waren zwar ein paar Stunden Tiefschlaf drin, aber richtig ausgeschlafen bin ich dennoch nicht. Donnerstag fühlte ich mich stark, seit Freitag geht die Kurve aber nach unten. Grün tritt in den Hintergrund, und irgendwer anders hat das Zepter übernommen.

Heute bin ich nicht stark.

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44 – Schmerz

Der Grat zwischen “ich kann nicht mehr“ und “ich will nicht mehr“ ist ein sehr, sehr schmaler, und ich balanciere darauf. Aber von oben, auf diesem Grat stehend, kann ich ein “ich könnte, wenn“ sehen, und es lässt mich fast auf der Stelle erstarren, zusammenbrechen. Fast, weil es zu sehr schmerzt, um still zu stehen, liegen zu bleiben.

Im letzten Eintrag schrieb ich – bzw. ein Teil von mir, wahrscheinlich eine Grau angefärbte Schwarz, vielleicht aber auch ein Teil Grün – , dass ich so viel von dem, was meine Thera sagt, schon zu wissen meine. Für Grau/Schwarz oder einen Teil Grün mag das stimmen; aber welcher Teil auch immer jetzt gerade mein Denken bestimmt, für den stimmt es nicht. Für den ist es eher ein “ich will es nicht wissen, weil es weh tut“. Und zwar richtig. Weil ich etwas ändern könnte, und es doch nicht schaffe. Weil es so einfach klingt, so logisch ist, und so unendlich schwer.

Hinschmeißen wäre die einfachere Lösung, aufgeben und sich auf eine der beiden Seiten recht oder links vom Grat fallen lassen. In der Ferne kein “ich könnte, wenn“ mehr sehen, sondern sich – vielleicht, vielleicht nicht – von irgendwem auffangen lassen.

Warum, verdammt, muss es so weh tun? Warum so anstrengend sein? Und warum ist es für andere selbstverständlich, während ich mich mit winzig kleinen Schritten, die mir wie ein kilometerlanger Hürdenlauf erscheinen, quäle?

38 – Zwischenspiel

Ich bin so müde. Unendlich erschöpft. Dabei fühle ich mich nicht tief depressiv, sondern einfach… – ja, wie eigentlich? Ich weiß es nicht, weil die Erschöpfung gerade alles überdeckt. Die letzten 5 Wochen waren hart (nicht umsonst hatte ich Abwege und Marathon im Kopf), seit gestern habe ich Urlaub. Wir fliegen bald weg, ich sollte mich freuen, tue es aber nicht, sondern mag eigentlich nur schlafen.

Ich dachte, heute wäre es besser.
Seit ich Donnerstag in der Arbeit das Gefühl hatte, tatsächlich mit allem „fertig“ (im Sinne einer Übergabe an die Vertretung) zu sein, streikt mein Körper, und mein Kopf gleich mit. Selbst für meine Verhältnisse gehe ich mega-früh schlafen und mein Antrieb reicht gerade bis zum Sofa und wieder zurück.
Gestern wollte mein Mann gerne aufn Berg, aber mein Kopf verpasste mir Atemnot, und so einigten wir uns auf einen gemütlichen Spaziergang zum See, den wir dann doch ausfallen ließen und nur im Garten waren.
Heutefrüh fühlte ich mich weniger erschöpft, aber das ist eine gefühlte Ewigkeit her. Meinem Mann zuliebe waren wir heute spazieren (es ist nicht so, dass es mir nicht auch gut getan hätte – O-Ton meiner Thera: „Spaß machen muss es erstmal nicht“), anschließend habe ich sogar noch meine sonntägliche Sport-Einheit drangehängt. Und jetzt könnte ich dann schlafen gehen. Ja, die Marathon-Metapher trifft es gut.

Diese krasse körperliche Erschöpfung macht mich echt fertig. Ich fühle mich faul, und mein nicht vorhandener Antrieb für irgendwas macht es nicht besser.

Ich hoffe nur, dass es mir auf der Insel besser geht, damit wir all das machen können, was wir uns vorgenommen haben. Und ich mich nicht wie der Bremsklotz am Bein von Schatz fühle…

 

…das war jetzt doch eine Art Tagebuch-Eintrag. Mal gucken, ob ich es schaffe, dass es mich nicht stört, wenn es (zumindest so)  nicht in meinem „richtigen“ Tagebuch steht. Ein kleiner Test, also – aber eher nebenbei.