61 – Handlungs(un)fähig?

Ich. Will. Mitleid.

Ein gewisser Teil von mir (Schwarz?) zumindest. Ich würde das nie offen zugeben, niemandem gegenüber. Aber dieser Teil von mir sehnt sich regelrecht danach, nicht nur Mitgefühl, sondern Mitleid zu erregen. Als krank, schwach, vom Schicksal gef*ckt und hilflos angesehen und in den Arm genommen zu werden – gerettet zu werden.
Nichts könnte sich armseliger anhören. Nichts klingt schöner, für diesen Anteil.

Ich versuche seit Tagen, dieses Gefühl, diese Gedanken zu analysieren. Die einzig annehmbare Erklärung scheint zu sein, dass Schwarz es sich um so mehr wünscht, je weniger ich selbst Mitleid mit mir habe, oder auch Mitgefühl.

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60 – Kontakt

Ich habe den Kontakt zu meinem Leben verloren. Ich habe ein Bild im Kopf, aber ausnahmsweise will sich daraus keine Geschichte machen lassen. Bis vor 5 1/2 Wochen hielt ich in der einen Hand das Seil, dass mich mit der Vergangenheit verband, in der anderen jenes, das in die Zukunft führte. Dann kam die Katastrophe, und unterbrach den Kontakt. Jetzt erkenne ich immernoch meine Vergangenheit, aber die Zukunft ist irgendwo verloren gegangen, ich sehe sie nicht. Mein Leben läuft weiter, aber ich schaue nur von unten dabei zu.

Heute in der Therapie – ja, ich war da – haben wir mein Loch analysiert. Ich bin gefangen in altbekannten Mustern, Konfliktvermeidung deluxe. In mir tobt ein Widerstreit, der mich gerade nur noch mehr belastet.
Ich kenne die Muster, aber ich erkenne sie wie immer nicht, wenn ich davor stehe.
Also habe ich es in der Hand – mich beobachten, sie erkennen und gegenläufig handeln, auch wenn es schwer fällt und meiner Überlebensregel widerspricht.
Aber, habe ich es wirklich in der Hand? Bin ich nur selbst schuld, dass mein Loch gerade so tief ist, weil ich es ja “einfach nur“ ändern müsste? Wenn gerade alles so schwer fällt, ist es dann nicht legitim, den (vermeintlich?) einfacheren Weg zu gehen und erst bis zum Wochenende, dann bis zum Urlaub durchzuhalten?
Ich weiß es nicht. Beides klingt logisch, in beiden Fällen bin ich gerade das Opfer – und in einem auch der Täter.

Ich will doch nur, dass mein Kopf Ruhe gibt, die Situation, die zu alldem geführt hat, endlich vorbei ist, und ich mich langsam wieder an ein nicht nur nach außen normales Leben rantasten kann.

Ich las gerade einen anderen Blog über Achtsamkeit und eine geschlossene Tür ohne Schlüssel, die aber nie abgeschlossen war. Ich wünsche mir, dass ich auch bald die Klinke ergreifen und sie runterdrücken kann.

59 – Down

Wenn ich mir die Diagnosekriterien für die Schweregrad einer Depression anschaue, hänge ich gerade irgendwo am unteren Ende von “mittelschwer“. Vor 6 Wochen noch habe ich mich bei “leicht“ eingestuft, aber das scheint ewig her. Und gerade sieht es nicht so aus, als würde sich meine Hirnchemie von meinen Bemühungen, mir Gutes zu tun, sonderlich beeindrucken lassen.
Ich bin heute nicht arbeiten, habe mich – natürlich mit extremm schlechtem Gewissen, weil ich stehe ja noch – krank gemeldet. Ich habe kaum geschlafen und hatte schon die ganze Nacht Kopfschmerzen, die auch jetzt noch nicht nennenswert besser geworden sind. Aber auch, weil ich gestern schon dauernd grundlos hätte heulen können, und nur noch will, dass es aufhört und wieder besser wird.
Die Arbeit lenkt mich einerseits etwas ab und beschäftigt mein Hirn, andererseits fühle ich mich so dermaßen überfordert, dass ich nurnoch aufgeben möchte. Ich kann nicht denken, und will es auch garnicht.
Ich habe keine Lust auf irgendwas, und würde am Liebsten auch den Therapie-Termin absagen – so wie letzte Woche. Aus dem Bett eine Höhle bauen und für immer dort einziehen wäre toll.

Mitte Juli habe ich einen Termin beim Psychiater. Vielleicht versuche ich es doch mal mit Antidepressiva, denn ich glaube nicht, dass ich sonst “auf die Schnelle“ aus meinem Loch rauskomme. Und ich möchte es für Schatz ausprobieren, weil er mich darum gebeten hat, außerdem möchte ich für ihn wieder stabiler sein. Wenn ich weiter abstürze, reiße ich ihn mit, ob ich will oder nicht.

Auch deswegen sage ich den Therapie-Termin für morgen nicht ab. Ich möchte wissen, was beim Psychiater auf mich zukommt, und vielleicht macht es ja auch Sinn, dass die Thera sich mit ihm in Verbindung setzt – kenne mich da nicht aus.

Ich habe Schiss vor dem Psychiater-Termin. Dass ich (wieder) einen falschen Stempel aufgedrückt bekomme, dass die potentiellen Antidepressiva mich verändern, fett werden lassen, wirken, oder nicht wirken, weil ich mich bloß anstelle und garkeine Depression habe. -.-

58 – Zu viel

So viele Gedanken in meinem Kopf, die ich gerne aufschreiben würde, und dann setze ich mich hin, und alles ist weg. Leergefegt.

Ich fühle mich zerrissen. Ein Hoch auf meine EgoStates, die sich gerade nicht besonders viel austauschen, sondern einfach denken, machen und mich durcheinander bringen.
Und ich kann es nichtmal in Worte fassen. Zig Sätze habe ich geschrieben und anschließend wieder gelöscht, weil ich nicht dort hin komme, wo ich hin will.

Das ganze Wochenende (inklusive meinem ausnahmsweise freien Freitag) habe ich bis gerade mit Ablenkungen verbracht. Schöne Sachen gemacht, aber auch Notwendige. Für den Nachmittag habe ich rumgammeln auf dem Plan gehabt, und weiß gerade nicht, ob es so eine gute Idee ist. Weil ich das Gefühl habe, nicht denken zu können, und doch tausend Sachen in meinem Kopf vorgehen, die ich nicht sortiert bekomme.
Ein seltsamer, aber nicht unbekannter Zustand. Und kein guter, weil er mich runterzieht.

57 – Kontrolle

Wie bastelt man sich eine Essstörung? Eine Anleitung: man nehme (m)ein Leben, stelle es auf den Kopf, entziehe (mir) jegliche Kontrolle über den weiteren Verlauf und warte ab.

Mein Verhältnis zum Essen ist seit meiner Pubertät – wahrscheinlich sogar länger -, sagen wir, nicht unbelastet. Meine Mama kenne ich nur auf Dauer-Diät und mit sich unzufrieden. Kritik an meinem Körper gab es von ihr öfter, wenn auch vielleicht nicht in böser Absicht. Als Kind war ich pummelig, als Prä-Teenie richtig dick. Dann, plötzlich, schränkte ich mein Essen radikal ein und nahm auf Normalgewicht ab. Bis auf wenige Kilo hin oder her halte ich es seitdem, aber in meinem Kopf bin ich immernoch Zwölf und fett.

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56 – Ich leiste, also bin ich

“Eigentlich“ …

  • … bin ich gerade nicht bei 100% meiner Leistungsfähigkeit
  • … hatte ich mir vorgenommen, bei der Arbeit bewusst etwas langsamer zu machen
  • … wollte ich mir kleine Pausen gönnen
  • … wollte ich von meinem Chef und meinen Mitarbeitern mehr Unterstützung einfordern
  • … wollte ich jeden Tag einigermaßen pünktlich Feierabend machen

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