Lux

Es ist heller heute. Die Finsternis der letzten Tage war hart an der Grenze dessen, was ich zu ertragen noch bereit bin und schürt die Angst, den pharmakologisch möglichen Spielraum des Glüxbärchis irgendwann zu verlieren, weil ich nicht weiß, was ich dann tue. Also lautet mein Plan, noch eine Woche weiterzumachen und dann in Schritten auf die vorige Dosierung zu gehen – möglichst unbedunkelt. Und vielleicht sollte ich den Herrn Psychiater mal wieder treffen.

Paralyse

Musik rauscht gemeinsam mit anderen Substanzen durch meinen Körper und beides zusammen hüllt mich in eine flauschig weiche Wolke aus Babyeinhornfell, die ich seit drei Tagen suche und heute endlich finde. Und ich liebe alles daran.
Gestern erwähne ich beiläufig meine erfolgte Selbstmedikation (ohne den Hinweis der doppelten Dosis im Vergleich zum Vortag, die einfach mal so gar nicht zündete) – zum Glück vor dem Filmriss, der erst einsetzt, als ich bereits schlafe, später angelöffelt werde und Schatz daraufhin mit Unsinnigkeiten vollquatsche.
Als ich heute immerhin schon einen Hauch der antreibenden Wirkung der von Ratio verordneten Glüxbarchi-Erhöhung zu verspüren meine, hoffe ich auf ein baldiges Mehr, als mir mein Suchtgedächtnis in den Rücken und ich aus versehen mit wühlenden Händen in den Medischrank falle – die Beiden am Boden befindlichen vergessenen Überreste füttern nun das Einhorn.
Ratios Blick ist ziemlich eindeutig not amused. Und das nicht nur wegen Flausch, sondern auch wegen Rosa, die aufgrund der Anzeige auf der Waage ein Dauergrinsen aufgesetzt hat und Grau, die ihr dauernd im Weg liegt – einfach weil sie es kann.

Elektiv

Ratio macht ihren Job geradezu ekelhaft gut und lässt sich ausgesprochen standhaft nicht davon abbringen, mich nicht zum Sport zu lassen, weil es sich seit über einer Woche eine nicht unerhebliche Erkältung in mir gemütlich gemacht hat. Mein Immunsystem nimmt – im Gegensatz zu Rosa und mir – scheinbar keinen besonderen Anstoß an der pathogenen Sportbremse und chillt stattdessen eher unmotiviert vor sich hin.
Als erstes Symptom möglicher Genesung bildet sich ausgerechnet cerebrale Exzitation wieder zur prävirulenten Ausprägung aus, deren Impulse zwar weitgehend an Ratio zerschellen, aber nicht gerade zur Entspannung beitragen, so dass ich mir das °doofdankbrainfog° zurückwünsche. Rosa untergräbt Ratio indes, wo sie kann, aber außer Frühstück und Snackgemüse skippen ist dennoch nichts drin, was über einen Sonnenspaziergang hinaus geht. An Hass grenzende Feindseligkeit schweißt uns zusammen, Rosa und mich.