57 – Kontrolle

Wie bastelt man sich eine Essstörung? Eine Anleitung: man nehme (m)ein Leben, stelle es auf den Kopf, entziehe (mir) jegliche Kontrolle über den weiteren Verlauf und warte ab.

Mein Verhältnis zum Essen ist seit meiner Pubertät – wahrscheinlich sogar länger -, sagen wir, nicht unbelastet. Meine Mama kenne ich nur auf Dauer-Diät und mit sich unzufrieden. Kritik an meinem Körper gab es von ihr öfter, wenn auch vielleicht nicht in böser Absicht. Als Kind war ich pummelig, als Prä-Teenie richtig dick. Dann, plötzlich, schränkte ich mein Essen radikal ein und nahm auf Normalgewicht ab. Bis auf wenige Kilo hin oder her halte ich es seitdem, aber in meinem Kopf bin ich immernoch Zwölf und fett.

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56 – Ich leiste, also bin ich

“Eigentlich“ …

  • … bin ich gerade nicht bei 100% meiner Leistungsfähigkeit
  • … hatte ich mir vorgenommen, bei der Arbeit bewusst etwas langsamer zu machen
  • … wollte ich mir kleine Pausen gönnen
  • … wollte ich von meinem Chef und meinen Mitarbeitern mehr Unterstützung einfordern
  • … wollte ich jeden Tag einigermaßen pünktlich Feierabend machen

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55 – Grenzen

Meine körperlichen Grenzen kann ich beim Sport inzwischen gut einschätzen. Wenn ich z.B. auf meinen CrossTrainer steige, lasse ich meinen Körper entscheiden, wie schnell er heute radeln möchte. Klingt vielleicht esoterischer, als es ist. Meine Beine radeln los, und die erste Geschwindigkeit ist genau die, die ich an dem Tag gut durchhalten kann. Die letzten Minuten einer Trainingseinheit steigere ich dann bewusst das Tempo, denn ich möchte meine Ausdauer erweitern. Als ich mir den CrossTrainer gekauft hatte, wollte ich anfangs selbst über die Geschwindigkeit bestimmen, und quälte mich bloß. Jetzt habe ich diesen Modus gefunden, der wunderbar funktioniert. Und wenn ich mal nicht so schnell unterwegs bin, respektiere ich das.

Meine psychischen Grenzen meine ich ebenfalls zu kennen. Aber respektieren kann ich sie nicht, stattdessen bekämpfe ich sie. Nicht immer bewusst, aber mit einer Ausdauer, die mich nur kopfschüttelnd zurücklässt, wenn ich genauer darüber nachdenke. Zur Zeit fällt es mir besonders auf. Ich bin gerade “eigentlich“ nicht 100% belastbar – wenn es 50% sind, ist es wahrscheinlich schon viel. Sei es mengenmäßig (an Aufgaben, die ich scheinbar freiwillig übernehme = Druck), oder emotional (da ganz besonders). Zuhause achte ich zumindest ein bisschen darauf, aber in der Arbeit schaltet mein EgoState Orange auf Durchzug. Ignoriert meine immer lauter rauschenden Ohren, nimmt eine Schmerztablette nach der anderen (Kopf- und Rückenschmerzen), und gibt die üblichen 110%. Abends kann ich dann nur noch totmüde auf die Couch fallen und stecke mal wieder im Arbeiten-Essen-Schlafen-Hamsterrad.

Eine tagtägliche, selbstgemachte Grenzüberschreitung, aus der ich irgendwie nicht entkomme. Statt es allen anderen recht machen zu wollen, könnte ich damit mal bei mir anfangen…

54 – Wo fange ich an?

Und das meine ich wörtlich. Wo fange ich an, wo hört die Depression auf? Was ist Teil meiner Persönlichkeit, was gehört zur Krankheit?

Das frage ich mich öfter, in letzter Zeit. Wahrscheinlich auch, weil ich über Antidepressiva nachdenke, die ich bisher noch nie genommen habe, und Angst vor Persönlichkeitsveränderungen habe – dass ich dann nicht mehr ich selbst bin. Und, weil ich – ausgelöst durch die Katastrophe und das Loch, das gerade eher tiefer als flacher wird – immer mehr zu der Einsicht komme, dass ich so nicht weitermachen möchte. Ich will mein Leben zurück, will Gefühle spüren, Energie haben, Pläne machen. Wenn es auch nur etwas Gutes an der Situation gibt, die Schatz und ich durchmachen, dann diese Erkenntnis(se).

Zur Zeit bin ich die wandelnde Planlosigkeit. Mir ist das Meiste egal, ich will nur, dass der Tag möglichst bald vorbei geht und ich wieder ins Bett kann, wo ich hoffentlich einigermaßen schlafen kann. Ich kann mir nicht merken, welcher Tag eigentlich ist, vergesse Termine in der Arbeit, kann nicht denken und will nur, dass das alles vorbei geht.

Ich weiß, ich kann akut nichts daran ändern, wie ich mich fühle. Ich kann auf meine Gedanken achten und kann mir Gutes tun, aber all das wird nicht dazu führen, dass ich morgen aufwache und alles anders ist. Auch nicht übermorgen. Aber in einigen Wochen, vielleicht. Das macht das Durchhalten nicht weniger anstrengend.

Ein Lichtblick: den Urlaub, den wir uns bald gönnen werden. Eigentlich sah unsere Jahresplanung anders aus, aber “eigentlich“ war, bevor all das passiert ist. Und uneigentlich sind wir schon jetzt reif für die Insel/Klappse/Auszeit/wasauchimmer, und wollen nur noch raus.

Es gibt diesen blöden Spruch: besser ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Ich weiß gerade nicht, was es ist, hoffe aber auf das Erstere.

Das Gras wird gebeten, über die Sache zu wachsen. Das Gras bitte!

53 – Meinungsverschiedenheiten

Da sind sie wieder. Meinungsverschiedenheiten zwischen meinen States, Inkonsistenzen. Am Donnerstag hatte ich wegen der Schlaftabletten eine einigermaßen erholsame Nacht. Auch für die Nacht auf Freitag habe ich eine genommen, aber am Wochenende wollte ich es ohne versuchen. So lag ich in der Nacht auf Samstag dann doch mehr wach, als dass ich geschlafen hätte, und die letzte Nacht waren zwar ein paar Stunden Tiefschlaf drin, aber richtig ausgeschlafen bin ich dennoch nicht. Donnerstag fühlte ich mich stark, seit Freitag geht die Kurve aber nach unten. Grün tritt in den Hintergrund, und irgendwer anders hat das Zepter übernommen.

Heute bin ich nicht stark.

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