73 – Hunger

Als ich am ersten Abend unseres Urlaubs mit Schatz auf der Terasse saß und auf unserem Tisch neben meinem heißgeliebten Ziegenkäse auch Tomatenmarmelade und frische Avocado lag, sagte – und meinte – ich: “ich glaube, ich kann wieder normal essen“.
Dass es doch nicht geht, merke ich seither jeden Tag. Das Frühstück besteht aus Joghurt mit Obst, weil ich mich zu den anderen leckeren Sachen morgens nicht durchringen kann. Dann den ganzen Tag nichts oder noch etwas Obst – bei den Ausflügen und Wanderungen merke ich, wie wenig Energie mein Körper hat. Ich sehne mich dann dem Abendessen entgegen, aber mein Körper schreit weiter “Hunger!“, auch wenn mein Magen nach ziemlich kleinen Mengen signalisiert, dass er voll ist und ich aufhöre, weil ich genau weiß, dass ich sonst Magenkrämpfe bekomme und mir schlecht wird.
Ich weiß, es ist zu wenig, was ich am Tag esse. Ich finde, es ist zu viel. Ich habe hier keine Waage, um mein Gewicht zu kontrollieren.

Iss doch einfach.

…denkt sich der eine Teil von mir. Der andere Teil zeigt mir einen Vogel und hungert lieber, statt wieder zum alten Normalgewicht zurückzukehren fett zu werden.

Ich will es nicht zum Problem werden lassen, weil es wichtigere Dinge gibt, um die ich mich kümmern muss sollte. Aber ich weiß nicht, ob es schon eins ist?

Leere.

In meinem Kopf, und bald auch wieder in meinem Magen. (K)Ein erstrebenswerter Zustand. ?.

70 – Ein Anfang

Ich (ver-)zweifle an meinem Leben. Weil es keins ist, sondern ein Schauspiel, in dem ich mitwirke und genau das tue, was von mir erwartet wird. Aber wenn der Vorhang fällt und ich alleine bin, oder daheim keine Rolle zu erfüllen habe, geht auch das Licht aus, und ich sitze im Dunkeln. Überlege, ob das alles ist, oder da noch mehr sein könnte.
Seit inzwischen 15 Jahren läuft das so, und es kotzt mich einfach nur noch an. Ich will mein Leben wiederhaben.

Ein Anfang.

Für den Urlaub habe ich mir etwas vorgenommen: reden. Mit Schatz und mit unseren Freunden. Nicht mit allen, aber für den Anfang mit Zweien. Ich hoffe, ich kann mich dazu durchringen, und ehrlich sein. Damit meine ich, auf die Frage, wie es mir geht, nicht mit meinem üblichen „Basd scho“ zu antworten, sondern tiefer zu gehen. Kein „Basd scho“, kein automatisches Lächeln und ablenken, sondern reflektieren und sagen, was gerade wirklich los ist. Auch wenn da im Hinterkopf der Gedanke ist, zu übertreiben, oder dass mein Gegenüber dann etwas schlechtes über mich denken könnte. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich dann im Gespräch neue Perspektiven, die mich tatsächlich weiterbringen.

Für mich stellt das eine riesen Herausforderung dar. Ich habe das Reden verlernt in den letzten 15 Jahren, stattdessen habe ich tausende von Unterhaltungen nur in meinem Kopf geführt und bin nur immer wieder an meinen eigenen Grenzen gescheitert.

Reden.

Vielleicht Hoffentlich ein Weg zu mehr Akzeptanz meiner Gefühle und der Reflektion über die Angemessenheit, die die anderen Perspektiven bieten.

69 – Akzeptanz (I)

Mir kam der Gedanke, dass wenn ich meinen Urlaub so verbringe, wie ich und andere es erwarten, nämlich mit Entspannung, Ablenkung und noch mehr Entspannung, ich am ersten Tag zurück in der Arbeit und damit zurück im Hamsterrad, an genau der gleichen Stelle anknüpfe, an der ich Freitag aufgehört habe. Mit Hurra zurück in mein Loch.

Die letzten Alle Urlaube habe ich so verbracht. Mich von meinem Alltag distanziert und möglichst wenig darüber nachgedacht, stattdessen gehofft, das sich irgendetwas ändert. Am Ende eines jeden Urlaubes war da aber nur ein diffuses Gefühl, mich zu wenig mit mir und den Auslösern auseinandergesetzt zu haben, und der ungebremste Sprung zurück ins Alltags-Loch.
In meinem gerade angefangenen Urlaub möchte ich daran etwas ändern und mich mit Akzeptanz beschäftigen.

Eine Analyse.

(Und als ich im Vorfeld darüber nachdachte, was ich hier schreiben möchte, fiel mir auf, wie weit Akzeptanz und mein Streben, alles zu analysieren, auseinanderliegen. Ich fange trotzdem so an.)

Was ich an mir akzeptiere, ist z.B. meine große Narbe am Rücken und die dazugehörige Narbe der Drainage, die von einer OP stammen, die ich als Kind hatte. Ich hatte nie den Gedanken, das könnte mich entstellen, und ich machte auch nie negative Erfahrungen damit.
Auch akzeptiere ich, zumindest zu einem gewissen Grad, dass ich beim Sport nicht immer gleich Leistungsfähig bin, weil mein Körper durch den Zyklus und andere Einflüsse mal besser und mal schlechter drauf ist. Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann fand ich es einfach natürlich, auf meinen Körper zu hören und es dann auch mal langsamer angehen zu lassen.
Dann hört es aber auch schon langsam auf.
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68 – Absturz

Gesternabend war ich zum zweiten Mal überhaupt in meinem Leben so betrunken, dass ich nicht mehr gerade gehen konnte.
Ich trinke seltenst, und dann nur recht wenig. Ich mag das Gefühl nicht, betrunken zu sein, und habe den Reiz, den andere verspüren, nie verstanden. Gestern haben wir gegrillt, mein Papa war zu Besuch, und die Schwiegereltern waren dabei. Anfangs fühlte ich mich noch vor das Problem gestellt, wie ich möglichst unauffällig möglichst wenig essen kann, aber das hat dann doch gut funktioniert. Als Vegetarier brauche ich fürs Fleisch schonmal keine Ausrede. Ich habe mich sogar satt gegessen, aber in meinen Magen passt auch einfach nur noch sehr wenig rein. Danach gabs einen sehr leckeren Likör, und ich trank 2 1/2 Schnapsgläschen. In Worten: zweieinhalb. Danach war ich so dicht, dass ich schließlich, als ich zur Toilette ging, einfach beschloss, ins Bett zu kriechen und die anderen, zusammen mit Schatz, einfach sitzen ließ. Es war mir so egal.
Ich weiß ja, dass mein Körper nährstoffunterversorgt ist, aber dass er den Zucker, und damit den Alkohol so gierig aufnehmen würde, hätte ich nicht gedacht.
Schlafen konnte ich übrigens trotzdem nicht.

Mein BMI heutfrüh: 19,8 – Tendenz also doch weiter fallend, obwohl ich am Mittwoch bei der Thera noch versprochen habe, darauf zu achten, nicht weiter abzunehmen.

67 – Insomnia

Ich kann nicht schlafen.
Aus diesem Grund (und weil mein Mann drum gebeten hat, dass ich über Antidepressiva nachdenke) war ich gestern – ohne große Lust, hätte am liebsten schon im Vorfeld abgesagt – bei einer Psychiaterin. Zum zweiten Mal überhaupt (siehe hier) und zum ersten Mal bei dieser Ärztin, die mir also potentiell Psychopharmaka verschreiben sollte.

Vielleicht erwartete ich zu viel, als ich nach wenigen Minuten halbherziger “Anamnese“ vor die Wahl gestellt wurde: “Entweder Sie nehmen Variante A, zusammen mit etwas Anderem zum Schlafen, dann geht es Ihnen die nächsten 4 Wochen noch viel schlechter und ich müsste Sie wegen der Schlafmittel krankschreiben, oder Sie nehmen Variante B, können sofort schlafen und nehmen mindestens 5kg zu“.
Danke, dann nehme ich “ich kann nicht schlafen“. Hätte ich zumindest gerne gesagt, aber weil ich so nett feige bin, habe ich Variante B genommen und noch vor Erhalt des Rezeptes beschlossen, es nicht einzulösen.

Jetzt liegt es also mahnend in meiner Tasche. Eine Möglichkeit, dass es mir besser ginge und ich mal wieder richtigen, erholsamen Schlaf haben könnte.
Vielleicht hätte ich mich sogar für Variante A entschieden, wenn ich nicht jetzt frei hätte und den Inselurlaub dann vermutlich heulend im Bett verbringen würde (Orange lacht – als würde sie je zulassen, dass ich 4 Wochen krankfeiere).

Ich klammere mich daran, dass durch den Urlaub alles wieder gut besser wird. Und ärgere mich gleichzeitig, dass die Psychiaterin das Gleiche sagte und in meinen Ohren damit impliziert, ich sei nicht depressiv, sondern nur gestresst.

66 – Tausend Dinge…

…gehen mir gerade durch den Kopf, die ich gerne näher durchdenken und aufschreiben würde. Drei Ansätze habe ich gestartet, und alles wieder gelöscht, weil ich es nicht zuende denken kann. Mir fehlt die Konzentration, ich fühle mich erledigt.

Mein Hunger ist zurück, der Appetit kommt langsam. Mein BMI ist bei 20,2 hängen geblieben, und ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finde. Erstaunlicherweise finde ich meinen Körper gerade sehr okay, es müsste gar nicht weniger sein. Aber ich weigere mich, ihm so viele Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, wie er eigentlich bräuchte. Ich esse deutlich zu wenig, und merke, wie es auf meine Leistungsfähigkeit schlägt. Wieder die zwei Meinungen in meinem Kopf: die Vernünftige, die sich denkt, dass ich essen muss (und es ja auch gerne mache, ist ja lecker), damit ich gesund bleibe und mich um mich kümmern kann, und die Kontrollierende, die sich diesen Anker der vermeintlichen Selbstbestimmtheit nicht nehmen lassen will (und wirklich gerne Magersüchtig wäre, weil es dann nichts mehr wäre, was ich verstecken kann).

Morgen ist die Katastrophe (vielleicht schreibe ich es mal auf, wenn alles vorbei ist) 8 Wochen her. Und wir haben einen wichtigen Termin, bei dem sich herausstellen wird, ob es schon morgen (fast) vorbei ist, oder der Alptraum weitergeht.
Ich verdränge die Gedanken daran, so gut es geht, um mir weder zu viele Sorgen, noch zu viele Hoffnungen zu machen. Auch nur ein Tag, der irgendwann vorbei sein wird.