Hope war ein Miststück. Eigentlich hatte sie das immer gewusst, aber nie wahrhaben wollen. Sie hatte immer nur ihre gute Seite gesehen, die ihr eine Freundin gewesen war und sie stets aufrecht gehalten hatte. Hope hatte sie immer aufmunternd angelächelt und ihr Mut zugesprochen, wenn sie traurig war. Hatte sie an die Hand genommen und gestützt, wenn sie es brauchte.
Aber dann hatte sie einen Fehler gemacht, den sie nun zutiefst bedauerte – sie hatte Hope vertraut und sie nur einen kleinen Moment aus den Augen gelassen. Es wurde ihr zum Verhängnis. Weiterlesen „20“
19
Leben ist Nebel nur rückwärts.
11.10.2015
18
Chaos. Grenzenloses, nicht beherrschbares Chaos. Mein Kopf ist voll mit Gedankenfetzen. Sie sind so schnell, so unfassbar viele, dass sie sich gegenseitig zerreißen. Meine Konzentration will jedem einzelnen davon folgen und verliert sich. Meine Augen flackern, mein Kopf versucht vergeblich, die Fetzen zu halten, zu ordnen. Mein Herz jagt ihnen hinterher, aber holt sie nicht ein. Jeden seiner Schritte brüllt es mir ins Ohr, um den Lärm zu übertönen, der von anderswo kommt. Grelles, monotones Pfeifen, mein stampfender Puls, alle Geräusche kämpfen um Gehör, werden lauter und drohender. Keine Rücksicht, jeder Laut, jeder Gedanken will beachtet werden und kämpft mit Krallen und Zähnen um die Vorherrschaft.
Chaos. Allumfassend. Auflösend.
14.09.2015
17
Ich ersticke an mir. An den Gedanken, die in meinem Kopf kleben und meinen Hals hinab laufen. Die mich abschirmen von der Welt und nur hindurch sickern lassen, was Angst macht. Semi-Permeabel. Angst kommt rein, aber nichts, was Angst macht, darf raus. Und es wird immer mehr, in mir drin. Es schnürt mir die Luft ab, die Luft zum Atmen, die Luft zum Denken.
14.09.2015
16
Es war dunkel um sie herum, als sie die Augen aufschlug. Sie wusste nicht, wie sie hergekommen war, aber sie spürte, dass sie in großer Gefahr war. Unter ihren Händen fühlte sie feuchte Erde, als sie sich hochstemmte. Irgendwo verfing sich ihr Haar, es roch modrig. Wald, schoss ihr durch den Kopf. Aber kein friedlicher, lebendiger Wald, dieser hier was anders. Neblig, zwielichtig, bösartig. Mit Kreaturen, die ihr nach dem Leben trachteten. Als sie das begriff, spürte sie Panik in sich aufsteigen. Sie wusste nicht, wohin, aber hier konnte sie auch nicht bleiben. Wer weiß, wie lange sie dort gelegen hatte, und wie nah ihre Verfolger in dieser Zeit schon gekommen waren? Sie rannte los, so schnell sie konnte, und fand sich nur einen Moment später schon mit dem Gesicht im Dreck auf dem Boden liegend wieder. Weiterlesen „16“
15
Sie fragte sich, ob es eine Entscheidung war, ob sie Einfluss nehmen konnte. Denn sie stand bereits im grauen Regen und sah, dass der Horizont noch viel dunkler war. Bedrohlicher. Fernes Donnergrollen zeugte von dem heftigen Unwetter, was dort tobte.
Sie war auf dem besten Wege, in ein Tiefdruckgebiet zu rennen, wenn sie den Weg weiterlief, auf dem sie hergekommen war. Aber konnte sie überhaupt noch entkommen? Machte es noch Sinn, einen anderen Weg zu suchen?
Sie versuchte es. Sie bewegte sich am Rand entlang, obwohl es sie so viel Anstrengung kostete. Es wäre einfacher, dem bisherigen Weg zu folgen, mit dem Wind, der sie wie von selbst tiefer in den Sturm hinein trug, wenn sie es zuließ. Aber sie wollte nicht aufgeben, denn war sie schnell genug, konnte sie sogar kurze Sonnenstrahlen erhaschen und sich darin aufwärmen. Aber es war ein Kampf gegen Goliath, der Sturm riss ihren Atem fort und schrie ihr ins Ohr, sie solle doch einfach aufgeben. Es klang so verlockend. Nicht mehr länger den Sonnenstrahlen hinterherjagen, nicht mehr länger gegen den Wind kämpfen, sondern sich von ihm tragen lassen, auch wenn es bedeutete, immer tiefer in das Tiefdruckgebiet vorzudringen.
Regen peitschte ihr ins Gesicht. Tränen mischten sich darunter. Der Donner schien so nah.
02.08.2015