MRT – ein nicht ganz ernstgemeinter Erlebnisbericht

Ich kann auch lustig – hoffe ich =)

Um niemanden zu langweilen, lasse ich die medizinischen Fakten einmal außen vor. Jedenfalls schickte mich mein Hausarzt zur Sicherheit zum MRT, und so war ich da nun.

Als erstes, als ich die Praxis betrete, fällt mir auf, dass es sich bei einer radiologischen Auftragspraxis um ein sehr einträgliches Geschäft handeln muss. Anders lässt es sich nicht erklären, warum im Sommer die Heizung mit voller Kraft versucht, die Räume in eine Sauna zu verwandeln.
Ich bekomme einen Fragebogen und einen halben Liter Kontrastmittel mit ins Wartezimmer, welches neben einem schicken Aquarium und Lounge-Sesseln mehr Platz bietet als so manche 2-Zimmer-Wohnung. Die Fenster sind schräg gestellt und die Heizung tut, was eben eine Heizung tun muss. Und sie tut es sehr erfolgreich.
Langsam dämmert mir, dass die flirrende Hitze vielleicht dazu animieren soll, das lauwarme Kontrastmittel-Zeug zu trinken, welches schmeckt, als hätte man eine halbe Süßstofftablette darin aufgelöst und die Socken aller Arzthelferinnen eine Nacht darin schwimmen lassen. Zum Wohl. Weiterlesen „MRT – ein nicht ganz ernstgemeinter Erlebnisbericht“ →

14

Wo soll ich nur anfangen? dachte sie und durchwühlte alle Schränke und Schubladen. Doch nirgendwo war es zu finden, also konnte es nur irgendwo draußen verloren gegangen sein. Seufzend zog sie ihre Schuhe und eine Jacke an und verließ das Haus.

Sie schlug blind irgendeine Richtung ein – diese hier war so gut wie jede andere, und irgendwo musste sie ja anfangen. Ihr war egal, durch welche Gegend sie gerade lief, ihr Blick war starr auf den Boden zu ihren Füßen gerichtet, um es nicht zu übersehen, sollte sie es endlich finden.

Manch einer wunderte sich und bat seine Hilfe an, aber sie war so konzentriert auf sich selbst, dass sie nichtmal die verwischten Landschaftsstreifen im Augenwinkel bemerkte. Es würde nie einen Sinn ergeben, wenn sie es nicht endlich finden würde! Aber die hörte nur den Wind in ihren Ohren immer lauter brüllen. Laut. So laut! Wie solle sie sich da bitte weiter auf die Suche konzentrieren?

Damals war alles gut gewesen, sie hatte es immer bei sich gehabt und hätte nie gedacht, es jemals zu verlieren. Sie war dumm gewesen, fahrlässig, nicht aufmerksam genug. Und jetzt war es fort und sie konnte es nirgendwo finden. Starr hielt sie den Blick auf den Boden gerichtet und verfolgte jeden ihrer eigenen einsamen Schritte. Hätte sie den Kopf auch nur um eine Winzigkeit angehoben, hätte sie bemerkt, dass eben jene Schritte einen tiefen Graben gelaufen hatten, der sie im Kreis um ihr Leben herumführte, welches sie so inständig zu finden hoffte.

Aber sie hob ihn nicht.

23.05.2015

13

Sie war einfach losgelaufen. Hatte sich auf die Suche gemacht, mit unbekanntem Ziel. Nein, eigentlich wusste sie genau, was sie suchte, aber eben nicht, wo sie es finden konnte. So lief sie immer weiter, getrieben durch die Hoffnung, irgendwann irgendwo anzukommen.

Regen begleitete sie seit geraumer Zeit, durchnässte ihre Kleidung und lief ihren Körper hinab. Es war ihr egal, finden, ankommen war das erklärte Ziel. Kalter Wind blies ihr ins Gesicht, aber sie lief einfach weiter. Für Weggefährten hatte sie keine Augen, keine Zeit, sie hielten sie nur auf. Wer ihr folgte, den verjagte sie nicht, aber sie nahm es auch niemandem übel, wenn er schließlich einen anderen Weg einschlug als sie.

Irgendwann war sie so schnell unterwegs, dass die Landschaft zu einem verwischten Streifen in Grau verschwamm, der jede Landschaft einheitlich trostlos aussehen ließ. Sie war so weit entfernt von ihrem Ausgangspunkt, wie es nur irgendwie ging. Suchte und suchte immer weiter, und übersah dabei, dass sie es längst gefunden hätte, wäre sie nie losgelaufen.

23.05.2015

12

Das System war außer Kontrolle – aus den Fugen geraten, kippte in eine gefährliche Richtung. Schwarz brüllte, schrie und tobte, ohne dass einer der anderen etwas dagegen tun konnte. Gelb hielt sich sowieso aus allem raus und saß mit baumelnden Füßen und einem Jojo am Rande der Szenerie. Grün hatte aufgegeben und stand nur stumm und ein wenig ratlos in der Ecke, weil Schwarz auf niemanden hören wollte. Weiterlesen „12“ →

11

Heute war mal wieder so ein Tag, an dem sie sich fragte, wer sie eigentlich war. Sie hasste diese Situationen. Sie war allein, in einer fremden Stadt, und fühlte sich gleichzeitig so frei und so verloren. Weit weg von Zuhause, weit weg von sich selbst.
Wer war diese Person, die sie beim Lunch beobachtete und zwanghaft versuchte, Smalltalk zu halten, um nicht zu seltsam zu erscheinen? Das konnte doch unmöglich sie selbst sein. Sie selbst, die sich am liebsten den ganzen Tag im Zimmer verkrochen hätte und hoffte, dass sie bald wieder heim fliegen konnte. Dass sie später nicht gefragt wurde, was sie vom Seminar mitgenommen und sich danach in der Stadt alles angeschaut hat. Weil sie es nur tat, da sie wusste, dass sie fragen würden, und sie etwas antworten musste.
Wo hatte sie sich auf dem Weg hierher nur verloren? Und was sollte sie mit derjenigen anfangen, die sie gerade zu sein schien, aber doch eigentlich gar nicht war…

21.04.2015

10

Stille Begleiter
Weggefährten

Gebändigte Dämonen
Wächter der Vergangenheit

Dunkle Schatten
Flügelwesen

Wann immer ich
Durch die Mondnacht schreite

17.04.2015