MRT – ein nicht ganz ernstgemeinter Erlebnisbericht

Ich kann auch lustig – hoffe ich =)

Um niemanden zu langweilen, lasse ich die medizinischen Fakten einmal außen vor. Jedenfalls schickte mich mein Hausarzt zur Sicherheit zum MRT, und so war ich da nun.

Als erstes, als ich die Praxis betrete, fällt mir auf, dass es sich bei einer radiologischen Auftragspraxis um ein sehr einträgliches Geschäft handeln muss. Anders lässt es sich nicht erklären, warum im Sommer die Heizung mit voller Kraft versucht, die Räume in eine Sauna zu verwandeln.
Ich bekomme einen Fragebogen und einen halben Liter Kontrastmittel mit ins Wartezimmer, welches neben einem schicken Aquarium und Lounge-Sesseln mehr Platz bietet als so manche 2-Zimmer-Wohnung. Die Fenster sind schräg gestellt und die Heizung tut, was eben eine Heizung tun muss. Und sie tut es sehr erfolgreich.
Langsam dämmert mir, dass die flirrende Hitze vielleicht dazu animieren soll, das lauwarme Kontrastmittel-Zeug zu trinken, welches schmeckt, als hätte man eine halbe Süßstofftablette darin aufgelöst und die Socken aller Arzthelferinnen eine Nacht darin schwimmen lassen. Zum Wohl.
Wohlweißlich bin ich vorher nochmal schnell zum Klo, und nun sitze ich da mit einem halben Liter warmer Plörre in mir und warte, dass ich in die Röhre gucken darf. Schließlich erlöst mich eine der zahlreich umherwuselnden und ausnahmslos gelangweilt dreinschauenden Arzthelferinnen und bringt mich zu meiner Umkleidekabine direkt neben dem MRT
Ich soll alles außer Socken, Schlüpfer und T-Shirt ausziehen, und natürlich tue ich, was mir gesagt wird. Vielleicht, überlege ich, ist es auch draußen so siedend heiß, weil die winzigen Umkleiden keine eigene Heizung haben und ich nach fünf Minuten überlege, mich wieder anzuziehen, bevor ich den Kältetod sterbe. Die will man wohl mitheizen. Funktioniert nicht.
Durch die dicke Isolationstür höre ich die Geräusche des MRT und frage mich, wie man das den ganzen Tag ertragen kann. Schließlich werde ich doch noch gerettet, bevor ich am Fußboden festfriere, und darf mich auf die Liege legen. Dort werde ich festgeschnallt, bekomme einen Panikknopf in die eine und einen Venenzugang in die andere Hand. Für das Kontrastmittel. Häh? Genau. Und das Gesöff von vorher ist nur dazu da, die Patienten zu quälen, die trotz steigendem Druck auf der Blase extra still liegen müssen. Wusst ichs doch!
Mit Gehörschutz und dem Kopf voran werde ich in die Röhre geschoben und frage mich, warum diese farblich den Wohnwagen der 80er huldigt. Nikotingelb mit einem dezent blassblauen Streifen, der direkt über meine Nase verläuft. So nah, dass ich mit der Zunge drankäme, wenn ich sie denn ausstrecken würde. Nein, lieber nicht. Zwar habe ich keine Platzangst, aber die Röhre ist schon wirklich eng, also mache ich einfach die Augen zu. Besser! Über die Kopfhörer erhalte ich gelegentlich die Aufforderung, ein- oder auszuatmen und dann die Luft anzuhalten. Immerhin sagte mir die Arzthelferin zuvor mit einem schelmischen Grinsen, wenn ich nichts höre, dürfte ich ganz normal weiteratmen. Wie beruhigend.
Während ich dort so liege, mit geschlossenen Augen und vor mich hin atmend, oder auch nicht, fühle ich mich, als würde mich das ganze Gerät quer durchs Zimmer schaukeln. Um mich zu versichern, dass ich mich nicht doch sicherheitshalber irgendwo festhalten muss, öffne ich die Augen. Ah! Dazu ist der blaue Streifen. Ich schaukele nicht, ich liege immer noch an Ort und Stelle. Lustig, was Magnetismus so anstellen kann. Zum Glück bin ich kein Zugvogel, der so navigieren muss, das brächte mich wohl sehr durcheinander.
Nach zwanzig Minuten, die sich anfühlen wie fünf, bin ich auch schon fertig. Um das gebührend zu feiern und auch die Arzthelferinnen aus ihrem Trott zu holen, setze ich mich beim Aufstehen kurzerhand auf den Panikknopf, der lauter !MÖP! macht als das Klacken des MRT. Alle wach?
Anziehen, dann sofort ab zum Doc, lautet die Ansage. Ich rechne damit, noch 3 Tage zu leben zu haben, was sie mir vorgestern schon sagen wollten und beeile mich. Der Doc bespricht gerade ein Aufnahmegerät und vertröstet mich noch fünf Minuten. Als er mich abholt, hat er einen Zettel dabei mit meinem Namen drauf, weil er sich den auf den drei Metern Wegstrecke nicht merken kann. Liegt aber vielleicht auch an seinem desaströsen Ernährungszustand, also habe ich Nachsicht. Trotzdem habe ich Angst, dass er im Gehen seine Hose verliert, aber der Gürtel gewinnt.
Ich setze mich und bin gespannt, was ich erzählt bekomme. Ein kurzer Scroll durch meine Aufnahmen, eine DVD mit den Aufnahmen für mich, und meine Diagnose, die mich zwar als Mutanten ausweist, aber keineswegs tödlich verlaufen wird. Puh!
Der lange Dürre steht wieder auf uns wünscht mir noch einen schönen Tag. Meinen spontanen Impuls, ihn wegen seine pinguinähnlichen Haltung zu fragen, ob ich ihm mit dem eben noch geschnifften Sekundenkleber, der nun offensichtlich an seinen Händen pappt, zu helfen und diese von seinen Seiten loszulösen, unterdrücke ich erfolgreich und lasse meine Hand, die ich bereits zum Händeschütteln leicht erhoben hatte, gekonnt durch meine Haare fahren, so dass ich mich geschickt aus der Affäre ziehen und sein steifes Nicken erwidern kann.

*vielleicht an der ein oder anderen Stelle ob der dramaturgischen Wirkung einen Hauch überspitzt dargestellt

06.2015

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