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Hope war ein Miststück. Eigentlich hatte sie das immer gewusst, aber nie wahrhaben wollen. Sie hatte immer nur ihre gute Seite gesehen, die ihr eine Freundin gewesen war und sie stets aufrecht gehalten hatte. Hope hatte sie immer aufmunternd angelächelt und ihr Mut zugesprochen, wenn sie traurig war. Hatte sie an die Hand genommen und gestützt, wenn sie es brauchte.
Aber dann hatte sie einen Fehler gemacht, den sie nun zutiefst bedauerte – sie hatte Hope vertraut und sie nur einen kleinen Moment aus den Augen gelassen. Es wurde ihr zum Verhängnis. Hope stieß ihr so überraschend und so brutal das Messer in den Rücken, dass sie zunächst nur Überraschung verspürte, während ihre Beine unter ihr nachgaben. Sie verstand nicht, was geschah. Ihr fragender Blick, mit dem sie zu Hope aufsah, wurde mit einem hämischen, bösartigen Grinsen erwidert. Hope verließ sie, einfach so. Sie drehte sich ohne ein Wort der Erklärung um und ging.
Aus dem Augenwinkel nahm sie einen Schatten wahr. Sorrow. Rasend schnell kam sie näher, und legte ihr schwarzes, schweres Tuch über ihren Körper. Aber es sollte sie nicht schützen, begriff sie. Es sollte sie einsperren, isolieren, sie mit ihrem Schmerz allein lassen. Ihr fehlte die Kraft, sich gegen sie zu wehren, Sorrow war zu stark. So lag sie einsam auf dem nackten Boden, spürte die Kälte in ihren Körper dringen und sah dem warmen Blut zu, das langsam und unwiederbringlich ihr altes Leben im Staub versickern ließ.

24.10.2015

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