Atemlos

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Es geht mir heute nicht gut. So garnicht.
Es fing gesternabend an. Irgendwas war anders, alles war schwerer. Ich konnte nicht richtig atmen. Heutfrüh wäre ich am Liebsten einfach im Bett geblieben. Bin trotzdem aufgestanden. Bekam schlecht Luft, immernoch.
Könnte weinen und möchte nur meine Ruhe.
Nein, es geht mir heute nicht gut.

98 – Denken. Hoffen.

Frau Therapeutin sagt, es ist normal, dass ich in alte* Verhaltensmuster zurückfalle.
Frau Therapeutin sagt, es ist normal, dass ich in alte* Denkmuster zurückfalle.
Frau Therapeutin sagt, ich muss dranbleiben.
Frau Therapeutin sagt, ich muss Achtsam bleiben.
Frau Therapeutin sagt, ich soll mich ablenken.

Ich sage nicht, dass ich keine Lust mehr habe. Dass ich will, dass es aufhört. Dass ich finde, nach 15 Jahren reicht es jetzt wirklich mal. Dass ich aus Überzeugung und ganz bewusst zu wenig esse, zu oft (heimlich!) Alkohol trinke, und keine Hoffnung auf dauerhafte Besserung sehe.
Ich schweige. Denke. Hoffe. Auf ein Ende.

*alt ist relativ. alt ist nur ein paar wochen alt. alt ist jetzt. alt ist neu.

94 – Wohin?

Wohin mit den Gedanken, dass es nur eine Absolutheit im Leben gibt?

Wohin mit den Gedanken, dass die einzige Gewissheit ein Ausweg wäre?

Wohin mit den Gedanken, die ein normaler Mensch nicht denkt?

Wohin mit den Gedanken, die ich niemandem erzählen kann?

Wohin mit den Gedanken, die ich doch gar nicht haben kann, wo es mir doch besser geht?

Geht es mir besser?

93 – Watte

Ein dümmliches Grinsen im Gesicht. Watte im Hirn. Kaffee für mich und Schatz gemacht, während er draußen saß, und nicht nur Likör, sondern auch Schnapps getrunken. Zu wenig, dass er es merkt, genug, dass ich es merke. Deutlich.

Warum? Frage ich mich später. Und streichle versonnen über mein flauschiges Hirn.

75 – Offline

Ich kann nicht denken. Jemand hat den Stecker zu meinem Gehirn gezogen und ich habe keine Ahnung, wie ich die Verbindung wieder bekomme. Ich fühle mich amputiert, etwas fehlt.
Gleichzeitig ist mein Urlaub entspannter, als ich zu hoffen gewagt hätte. Die wichtigsten Fragen sind die nach dem nächsten Ausflug und wann ich was nicht esse.

Ich weiß nicht, wie ich das finden soll. Ich würde das gerne genießen, aber ich kann nicht. Ich WILL denken, ich WILL mich mit diversen Themen beschäftigen, aber es geht einfach nicht.

Meine Konzentration ist auf dem gleichen Niveau wie mein Denken – bei Null – und meine körperliche Leistungsfähigkeit gesellt sich zusammen mit meiner Kreativität auch dazu. Ich mag das nicht. Ganz und garnicht.