77 – Möbius?

Meine zweite Therapie endet bald, ich habe nichtmal mehr zwei handvoll Stunden übrig – Zeit für einen Rück- und Ausblick.

Der Anfang.

Meine erste Therapie (die ich viel zu spät, nämlich erst 2014 begann, aber das ist eine andere Geschichte) war tiefenpsychologisch. Hilfreich, um mich besser zu verstehen und die Vergangenheit, die mich zu dem Zeitpunkt wieder sehr stark belastete, aufzuarbeiten. Aber irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, meine Therapeutin zu langweilen. Das sagte ich ihr – und auch, wenn sie versuchte, mich vom Gegenteil zu überzeugen, war ein Bruch entstanden, der mich das Ganze vorzeitig beenden ließ.
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73 – Hunger

Als ich am ersten Abend unseres Urlaubs mit Schatz auf der Terasse saß und auf unserem Tisch neben meinem heißgeliebten Ziegenkäse auch Tomatenmarmelade und frische Avocado lag, sagte – und meinte – ich: “ich glaube, ich kann wieder normal essen“.
Dass es doch nicht geht, merke ich seither jeden Tag. Das Frühstück besteht aus Joghurt mit Obst, weil ich mich zu den anderen leckeren Sachen morgens nicht durchringen kann. Dann den ganzen Tag nichts oder noch etwas Obst – bei den Ausflügen und Wanderungen merke ich, wie wenig Energie mein Körper hat. Ich sehne mich dann dem Abendessen entgegen, aber mein Körper schreit weiter “Hunger!“, auch wenn mein Magen nach ziemlich kleinen Mengen signalisiert, dass er voll ist und ich aufhöre, weil ich genau weiß, dass ich sonst Magenkrämpfe bekomme und mir schlecht wird.
Ich weiß, es ist zu wenig, was ich am Tag esse. Ich finde, es ist zu viel. Ich habe hier keine Waage, um mein Gewicht zu kontrollieren.

Iss doch einfach.

…denkt sich der eine Teil von mir. Der andere Teil zeigt mir einen Vogel und hungert lieber, statt wieder zum alten Normalgewicht zurückzukehren fett zu werden.

Ich will es nicht zum Problem werden lassen, weil es wichtigere Dinge gibt, um die ich mich kümmern muss sollte. Aber ich weiß nicht, ob es schon eins ist?

Leere.

In meinem Kopf, und bald auch wieder in meinem Magen. (K)Ein erstrebenswerter Zustand. ?.

70 – Ein Anfang

Ich (ver-)zweifle an meinem Leben. Weil es keins ist, sondern ein Schauspiel, in dem ich mitwirke und genau das tue, was von mir erwartet wird. Aber wenn der Vorhang fällt und ich alleine bin, oder daheim keine Rolle zu erfüllen habe, geht auch das Licht aus, und ich sitze im Dunkeln. Überlege, ob das alles ist, oder da noch mehr sein könnte.
Seit inzwischen 15 Jahren läuft das so, und es kotzt mich einfach nur noch an. Ich will mein Leben wiederhaben.

Ein Anfang.

Für den Urlaub habe ich mir etwas vorgenommen: reden. Mit Schatz und mit unseren Freunden. Nicht mit allen, aber für den Anfang mit Zweien. Ich hoffe, ich kann mich dazu durchringen, und ehrlich sein. Damit meine ich, auf die Frage, wie es mir geht, nicht mit meinem üblichen „Basd scho“ zu antworten, sondern tiefer zu gehen. Kein „Basd scho“, kein automatisches Lächeln und ablenken, sondern reflektieren und sagen, was gerade wirklich los ist. Auch wenn da im Hinterkopf der Gedanke ist, zu übertreiben, oder dass mein Gegenüber dann etwas schlechtes über mich denken könnte. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich dann im Gespräch neue Perspektiven, die mich tatsächlich weiterbringen.

Für mich stellt das eine riesen Herausforderung dar. Ich habe das Reden verlernt in den letzten 15 Jahren, stattdessen habe ich tausende von Unterhaltungen nur in meinem Kopf geführt und bin nur immer wieder an meinen eigenen Grenzen gescheitert.

Reden.

Vielleicht Hoffentlich ein Weg zu mehr Akzeptanz meiner Gefühle und der Reflektion über die Angemessenheit, die die anderen Perspektiven bieten.

69 – Akzeptanz (I)

Mir kam der Gedanke, dass wenn ich meinen Urlaub so verbringe, wie ich und andere es erwarten, nämlich mit Entspannung, Ablenkung und noch mehr Entspannung, ich am ersten Tag zurück in der Arbeit und damit zurück im Hamsterrad, an genau der gleichen Stelle anknüpfe, an der ich Freitag aufgehört habe. Mit Hurra zurück in mein Loch.

Die letzten Alle Urlaube habe ich so verbracht. Mich von meinem Alltag distanziert und möglichst wenig darüber nachgedacht, stattdessen gehofft, das sich irgendetwas ändert. Am Ende eines jeden Urlaubes war da aber nur ein diffuses Gefühl, mich zu wenig mit mir und den Auslösern auseinandergesetzt zu haben, und der ungebremste Sprung zurück ins Alltags-Loch.
In meinem gerade angefangenen Urlaub möchte ich daran etwas ändern und mich mit Akzeptanz beschäftigen.

Eine Analyse.

(Und als ich im Vorfeld darüber nachdachte, was ich hier schreiben möchte, fiel mir auf, wie weit Akzeptanz und mein Streben, alles zu analysieren, auseinanderliegen. Ich fange trotzdem so an.)

Was ich an mir akzeptiere, ist z.B. meine große Narbe am Rücken und die dazugehörige Narbe der Drainage, die von einer OP stammen, die ich als Kind hatte. Ich hatte nie den Gedanken, das könnte mich entstellen, und ich machte auch nie negative Erfahrungen damit.
Auch akzeptiere ich, zumindest zu einem gewissen Grad, dass ich beim Sport nicht immer gleich Leistungsfähig bin, weil mein Körper durch den Zyklus und andere Einflüsse mal besser und mal schlechter drauf ist. Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann fand ich es einfach natürlich, auf meinen Körper zu hören und es dann auch mal langsamer angehen zu lassen.
Dann hört es aber auch schon langsam auf.
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