Geträumt

Irreal ist das einzige Wort, das mir zu diesem Tag einfällt.

Jetzt, auf dem Sofa, mit einer schnurrenden Mieze auf dem Schoß, einem Körnerkissen an meinen Füßen und einer Tasse Kaffee neben mir, ist er echt. Ich bin echt. Aber die Arbeit ist wie etwas geträumtes, weit entferntes. Zusammenhanglos. Weit weg von mir.

Die Katastrophe hat etwas kaputt gemacht. Oder die Prioritäten verschoben. Zuvor war Arbeit mein Lebensinhalt – mehr als 100% geben war selbstverständlich, auch wenn ich mich dabei langsam aber sicher aufgearbeitet habe. Jetzt schleppe ich mich pflichtbewusst, aber lustlos von Arbeitstag zu Arbeitstag und frage mich, ob es bitte wieder so werden kann wie vorher, während es tatsächlich jeden Tag weiter in die Ferne rückt. Ich habe meinen roten Faden verloren und weiß nicht, wie ich ihn wiederfinden soll. Ich habe fast niemanden dort in der Katastrophe eingeweiht, so dass ich allein vor meinem Trümmerhaufen stehe und vor lauter Staub alles andere nicht mehr erkennen kann.
Ich bin orientierungslos und soll anderen eine Richtung vorgeben, sie anleiten, motivieren und auch noch Interesse an ihrem Leben haben, weil man das nunmal so macht als gute Führungskraft.

Kann ich mal ne Pause haben, bitte? So für 2 bis 17 Monate, bis sich der Staub gelegt und ich mein Leben wieder sortiert habe?

Nö.

50 – Isolation

Immer, wenn sie aufwachte, befand sie sich in dem gleichen Schwebezustand. In einer kleinen Blase, mit leerem Kopf und umgeben von ihren diffusen Gedanken. Die Welt, das Leben, lief um diese Blase herum, umgab sie, aber ließ sie nicht teilhaben. Ihr war es nur recht. Es interessierte sie nicht, was dort vorging, es war ihr egal. Egal, dass die Sonne schien, egal, dass es dort einfach weiterging.

Eine Explosion hatte ihr zuerst den Boden unter den Füßen weg gerissen, und sie dann in Brand gesetzt. Sie war verglüht, in einer Blase gefangen und dazu verdammt, mit leerem Kopf ihren Gedanken zuzusehen, die ihr beinahe jeden Blick nach draussen versperrten.

Sie verstand nicht, wie das hatte passieren können. Dass Menschen, oder diejenigen, die sich als solche ausgaben, zu so etwas fähig waren. Eine Existenz, und damit mehr als nur ein Leben, einfach zu nehmen und in die Luft zu jagen, ohne Rücksicht und mit einer Erklärung, die aus nichts anderem als Lügen bestand. Und sie wussten es, da war sie sich sicher. Sie wussten, dass sie aufgrund einer Lüge das Streichholz angezündet und den vorbereiteten Sprengstoff damit entzündet hatten.

Und dabei war sie eigentlich nur der Kolateralschaden. Nur ein, vielleicht sogar erhoffter, Nebeneffekt. Ein verglühtes, leeres Etwas, das in einer schwebenden Blase allein mit seinen Gedanken zurückblieb. Handlungsunfähig, unter Schock, leer und verbrannt.

41 – Wanted: Feelings

Bald gehts in Urlaub – und ich frage mich, wo  meine Gefühle sind. Wenn mich jemand fragt, dann sage ich, dass ich auf den Urlaub freue. Natürlich.
Aber wenn ich genauer zu ergründen versuche, was ich gerade fühle, ist da nicht viel. Doof das.
IMG_20180417_143135_xsWenn überhaupt, dann sind da eher die Negativen: Sorge, dass das Wetter nicht gut sein könnte oder Bedauern, weil ich wahr-scheinlich unsere letztes Jahr neu ausgepflanzten Tulpen beim Blühen verpasse.
(Vor-)Freude findet sich da nirgends, auch wenn ich tiefer wühle.

Und wenn ich genau darüber nachdenke, sind die positiven Gefühle schon seit (zu) langer Zeit verschwunden – so dass ich mich frage, ob ich sie vielleicht nur nicht erkenne, oder zu viel erwarte. Doch dann kommt ein Abend wie gestern, ich mache meinen wiederentdeckten Sport, bin durchflutet von Endorphinen und fühle „es“ – in einer Intensität, die mich fast durchdrehen lässt. Und die so schnell wieder verschwinden, dass es mir anschließend wie ein Traum erscheint.
Für mich der Beweis, dass ich nicht zu viel erwarte oder sie einfach nicht erkenne, sondern dass sie in meinem restlichen Leben abhanden gekommen sind und irgendwo vor sich hin verstauben.
Und ich weiß nicht, was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll…