Schatten

Schwarz hat, was sie will. Mich, in einem verdammt dunklen Loch, dessen Grund die Sonne, die draußen scheint, nicht einmal ansatzweise erreicht.
Wir kauern zusammen dort unten und diskutieren, ob wir trotzdem spazieren gehen sollen oder stattdessen lieber nach der Rasierklinge suchen, während ich mich immer noch frage, warum ich heute überhaupt aufgestanden bin.

Wie gerne würde ich mich in die Sonne stellen und den Vögeln zuhören, die Bienen beobachten. Aber von hier unten geht das nicht, und anstelle von Bedauern fühle ich nichts.
Heute überrascht mich nicht, denn es ist ja nicht so, als hätte ich die Zeichen, die Schwarz mir die ganze Woche über schon alles andere als dezent mit einem Zaunpfahl um die Ohren gehauen hat, nicht bemerkt. Sie waren mir nur einfach egal.
Eine sarkastische Gedankenstimme meldet sich mit den Worten Wie praktisch, dass du am Montag noch deinem tollen neuen Hausarzt erzählt hast, dass es dir „ganz gut“ geht und du schlafen kannst. Ich antworte nichts, während unzusammenhängende Satzfetzen wie wollte nicht jammern, Vertrauen ist doch nicht so einfach wie gedacht und hoffentlich mag er mich auftauchen.

Ich weiß nicht als Antwort auf alle (un)gestellten Fragen.

Lost

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Neuer Hausarzt: check.
Matsch im Kopf: check.

Konzentration ist ein Fremdwort zur Zeit. Genauso, wie Perspektive. Ich warte. Auf was, weiß ich nicht – und es macht mich wahnsinnig. Mein Kopf dreht immer die gleichen Schleifen, aber an die wirklich wichtigen Themen traue ich mich nicht heran, ich mag sie nicht einmal aufschreiben.

Genau genommen mag ich garnicht mehr nachdenken. Es nervt mich so, ich fühle mich gefangen in meinem Kopf, der alles zerdenkt und Strukturen sucht, aber nur Matsch findet. Ich weiß nicht, wo ich stehe und was ich von mir will – nur, dass da irgendetwas ist, was ich nicht greifen kann.

Meine Krankenkasse äußert sich nicht dazu, ob eine tiefenpsychologische Therapie möglich wäre. Sie sagen nur, ich müsste einen Therapeuten suchen, probatorische Sitzungen machen, dann einen Antrag samt Bericht einreichen und abwarten. Ich weiß gerade nicht, ob ich das auf mich nehmen mag.

Ich würde so unendlich gerne die Verantwortung abgeben. Ich weiß, es könnte mir viel schlechter gehen. Es ging mir schon viel schlechter. Aber ich fühle mich so haltlos… Als hätte man die Farbe entfernt, und ich bin hier nirgendwo, verloren und abseits der Zeit…

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An Apple a Day (*)

Arbeitgeberfreundlich, wie ich bin, lege ich meine fette Erkältung natürlich brav in meinen Urlaub – und hoffe ein bisschen, dass mich mein vielleicht-neuer-Hausarzt bei der morgigen Vorsorgeuntersuchung überredet, mich (rückwirkend) krankzuschreiben.
Jahrelang war ich nicht mehr körperlich krank, aber die letzten Monate haben wohl auch in meinem Immunsystem Spuren hinterlassen.

Heute Nachmittag werde ich noch die Befunde aus meiner alten Hausarzt-Praxis abholen und für morgen vor- bzw. aussortieren – den Schmarrn von der damaligen Psychiaterin werde ich wahrscheinlich weglassen.

Ich bin sehr gespannt, wie der Termin werden wird. Ich hoffe wirklich, dass es passt und er mich noch für mindestens eine Woche krankschreibt.

* Keeps the Doctor away heißt es ja. Ironisch, dass ich an 5 von 7 Tagen Äpfel esse. Naja, hat ja lange funktioniert…

F wie …

Ich tue es schon wieder. Mich in Diagnosen verlieren, ICD-F-Diagnoseschlüssel aus meiner Patientenakte vom Hausarzt googeln, mich darin suchen und fragen, ob ich überhaupt krank bin, weil ich auch heute schon wieder (!) einen eigentlich recht guten Tag habe. Ob es dann noch eine Rechtfertigung für das, was in meinem Kopf passiert, gibt.
Einen guten Tag einfach als solchen hinnehmen? Ging gestern einigermaßen gut, heute eher so mittel bis schlecht.

Für nächste Woche habe ich jetzt einen Termin bei meinem vielleicht neuen Hausarzt Herr Dr. Ganzheitlich gemacht, gleich mal Vorsorge inkl. Hautkrebs-Screening. Dann weiß er gleich, woran er ist und ich habe mir fest vorgenommen, ihn sehr offensiv zu fragen, ob die Diagnosen ein Problem für ihn sind. Ob ich mit Vorwürfen rechnen muss, wenn es doch mal wieder zu SV kommt, weil ich nicht versprechen kann, dass es nie wieder passiert.

Vertrauensfrage

Ich suche mir einen neuen Hausarzt. Ich habe das lange vor mir hergeschoben, aber für den jetzigen Urlaub habe ich es mir vorgenommen. Nach allem, was mir dort an den Kopf geworfen wurde, mag ich einfach nicht mehr dort hin.

Heutemorgen.
Traumhaftes Wetter, also gehe ich zu Fuß ins Dorf, wo ich einen Friseur-Termin habe. Meine noch-Hausarztpraxis ist gleich nebenan, also gehe ich vorher dort vorbei und bitte um eine Kopie meiner Patientenakte. Die Sprechstundenhilfe blafft mich in bekannter Manier an, ob ich vorher angerufen habe und dass das jetzt am Vormittag mal gar nicht ginge, weil Montag, und was ich denn eigentlich genau wolle und wofür? Ich wiederhole freundlich, aber bestimmt, was ich möchte, dass ich die nicht sofort brauche und gerne nach meinem Friseur-Termin nochmal vorbeischaue, wenn sie Gelegenheit hatte, mit einem der Ärzte zu sprechen. Ich rechne damit, dass ich morgen wiederkommen soll, und mit weiteren blöden Bemerkungen.
Als ich nach einer 3/4 Stunde zurückkomme, erhalte ich wider Erwarten tatsächlich meine fertige Kopie (gar nicht so billig…) und spaziere durch die Wintersonne wieder Heim.

Vorm Öffnen des Umschlags habe ich Schiss. Also gehe ich erstmal die frisch frisierte Frisur zerduschen, stelle eine Maschine Wäsche an, fülle die Miezen, putze das Duschregal. Dann traue ich mich.
Neben viel Kauderwelsch kann ich auch einiges rauslesen und fühle mich darin bestätigt, dass ich mir eine neue Praxis suchen sollte. Immerhin, nach dem gewünschten Telefonat des noch-Hausarztes mit meiner inzwischen-nicht-mehr-Therapeutin ist die Borderline-Diagnose rausgeflogen.

Die neue Praxis, die ich mir im Nachbarort rausgesucht habe, schließt gerade, als ich die Telefonnummer im Netz suche, aber *TrommelwirbelweilLandarzt* sie haben eine Homepage und eine Mailadresse, also schreibe ich hin. Schon eine halbe Stunde später habe ich eine sehr nette Rückmeldung, so dass ich heuteabend, wenn sie wieder Sprechstunde haben, anrufen und einen Termin machen werde.

Nun ist die Frage, möchte ich zu Frau Dr. Schulmedizin oder Herr Dr. Ganzheitlich? Das finde ich gar nicht so leicht zu beantworten. Ich hätte lieber einen Arzt, ohne dass ich sagen könnte, woher die Präferenz für einen Mann kommt – auch für die Therapie(n) hätte ich eigentlich lieber Männer gehabt. Aber an Homöopathie glaube ich etwa so sehr wie an den Mondkalender, nämlich garnicht. Also doch Frau Dr. Schulmedizin? Mal schauen. Schatz fragen, wenn er von der Arbeit zurück ist.

Außerdem mag ich diese Stelle für ein Schulterklopfen in eigener Sache nutzen. Weil ich die Sonne und den Spaziergang genossen habe, beim Doc war, mich von der Sprechstundenhilfe nicht habe verunsichern lassen, Wäsche wasche, das Regal saubergemacht, die Kaffeemaschine entkalkt, gelüftet, beim Tierarzt angerufen und die Mail geschrieben habe. Und was gegessen habe ich auch.

Heute ist ein guter Tag.