Zum Jammern reichts

Wenn ich noch einen Schritt machen muss, falle ich um. Ich mache noch einen Schritt. Ich falle nicht um.
So setze ich einen Fuß vor den anderen, während mir die Erschöpfung ins Gesicht brüllt, ob ich eigentlich den Verstand verloren habe. Noch nicht, flüsterte ich zurück.

Heute nacht wache ich auf, weil mein Ohr plötzlich so laut pfeift,dass ich meine, es müsste meinen Mann aufwecken. Er schläft weiter. Denn, er war ja auch müde, gestern, nach dem Gewaltmarsch Spaziergang. So müde, dass er danach im Garten gewurschtelt hat, während ich auf der Couch überlegte, wie ich es je wieder senkrecht schaffen soll und ob ein paar Tage gelber Schein nicht vielleicht ein kleines bisschen sinnvoll wären.

Brauche. Pause. Bitte.

Unbunt

Heutemorgen.
Ich sollte wohl eigentlich nicht Auto fahren, weil alles nur automatisch läuft und ich mich alle paar Kilometer frage, wie ich diese nun genau hinter mich gebracht habe, weil mein Kopf ganz woanders ist. Aber sind keine Blaulichter im Rückspiegel, also muss es wohl gut funktioniert haben.

Heutemittag.
Der Tag so: *zwoooosh*
Ich so: *Warte auf mich, keine Zeit!*
Informationen prasseln auf mich ein, eine dringende Aufgabe reiht sich an die Nächste, und Besprechungen wollen auch noch abgehalten werden.
Ich muss pinkeln, aber erst nach einer Ewigkeit fällt mir ein, dass ich einfach mal aufs Klo gehen könnte.

Heutenachmittag.
Mein Kopf streikt, zu viele Infos, gearbeitet habe ich jetzt auch lange genug. Feierabend. Fahren geht nebenher, während ich über den Tag nachdenke und mich relativ unbesiegbar fühle. Zwar bin ich in einer wichtigen Angelegenheit nun der entgegengesetzten Meinung von vor 2 Wochen, aber diese fühlt sich richtig an. Die vor 2 Wochen damals auch, aber das lasse ich außen vor. Grün fragt sich, wer sich eigentlich den ganzen Psychokram ausdenkt und wo genau das Problem liegen soll. Ich frage mich, wann genau Grün aufgetaucht ist.

Jetzt.
Häh? Seltsamer Tag. Ein Hoch auf EgoStates. Und so.

Etikett

An der Frage, ob es tatsächlich heller wird oder ich mich nur an die Dunkelheit gewöhne, beiße ich mir dieser Tage die Zähne aus.

Schatz fragt heute, ob es mir besser geht. Ich zucke zurück wie eine Schnecke, zurück in mein Häuschen, und frage mich, woran er das fest macht.

Ich wüsste so gerne, in welche Kategorie mein Zustand fällt. Denn ich bin einfach nur ratlos, wenn ich in mich hinein schaue…

Im Kreis

Fieber ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass etwas nicht stimmt und mein Körper Ruhe braucht. In so einem Fall steht es außer Frage, dass ich nicht arbeiten gehe, sondern zuhause bleibe und ggf. auch zum Arzt gehe.

Bei einer Erkältung wird es schon schwieriger. Vielleicht gehe ich dann mal früher heim. Und ganz vielleicht bleibe ich sogar mal einen Tag zuhause. Zum Arzt? Nö. Nur im Ausnahmefall.

Und wenn mir mein Körper nun – neben den psychischen Symptomen – Schwindelanfälle, Atemprobleme, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten um die Ohren haut? Nehme ich zwar all das wahr, aber deswegen nicht arbeiten? Oder gar zum Arzt? Ein Teil von mir wünscht sich nichts sehnlicher. Der andere, stärkere Teil dagegen schüttelt energisch den Kopf, verweist auf berufliche Termine und Verpflichtungen und schleppt sich durch den Tag. Verletzt, und sich sorgend, andere könnten meinen Zustand nicht ernst nehmen. Meinen, dass ich mich bloß anstelle und gefälligst zusammenreißen soll.
Und heute war da plötzlich eine mögliche Antwort auf die Frage in meinem Kopf, warum es mir so wichtig ist, dass andere (ausgewählte) Personen meinen Zustand ernst nehmen. Weil ich mich selbst nicht ernst nehme… Ich schreibe zwar, es geht mir nicht gut, aber ich sage es nicht und erhalte keine Rückmeldung, also ist es nicht real. Alles Einbildung. Ein Teufelskreis. Oder lächerlich. Weil ich mich nur anstelle.

Nicht-Gedanken

Matsch im Kopf.
Gesternabend ein bisschen verletzt, ABER NICHT GENUG!!! Könnte ich es nur geheim halten, mein Bein sähe anders aus. Ganz anders. So hilft es mir nicht. fuck.
Arbeiten? Ja, war ich – nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen habe, wieder einmal. Mit den Kollegen gescherzt, kompetent Vorgesetztenkram gemacht, Schwindelanfälle überspielt, Druck auf der Brust und anstrengendes Atmen ignoriert. Mich im Gespräch mit Mitarbeitern gefragt, wo zur Hölle eigentlich mein Problem liegt, wenn ich doch meinen Job ganz wunderbar mache und sogar scherzen kann.

Ich sollte zum Arzt gehen. Ich sollte mich mindestens den Rest der Woche krankschreiben lassen und mich selbst in dem Chaos suchen gehen, welches in meinem Kopf herrscht. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Schatz mich genau dazu zwingt, mir keine Wahl lässt. Denn wenn ich sie habe, sagt mein Kopf, ich soll gefälligst nicht den neuen Hausarzt gleich mit sowas überfallen, damit er nicht schlecht von mir denkt oder mich verurteilt. Oder mich gar wirklich krankschreibt. Weil, die Struktur, die arbeiten gehen mir bietet, ist ja doch gut und genau das, was ich brauche. Oder?
Alles ist so widersprüchlich. Jeder Gedanke ist das Gegenteil vom vorigen. Jeder hat Recht.

Und eine kleine Stimme wispert, dass ich bloß Aufmerksamkeit will. Bestätigt wissen will, dass es mir schlecht geht. Also, wirklich. Nicht nur eingebildet. Keine Anstellerei.

Innere Stimmen

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Sie redete und redete. Diskutierte mit allen möglichen Menschen, denen sie tagtäglich begegnete. Konstruierte Sätze und Realitäten, immer von der Intention getrieben, anderen verständlich zu machen, was sie gerade dachte, wie sie sich fühlte und wie sie die Welt sah. Worte reihten sich in beinahe endloser Folge aneinander und ergaben mal mehr, mal weniger Sinn. Das Bedürfnis, sich mitzuteilen und dadurch vielleicht ein Stück weit besser zu verstehen, war schon immer ein Teil von ihr gewesen.
Manchmal bekam sie Kopfschmerzen davon, wenn sie Sätze begann, deren Ende sie nicht aussprechen wollte oder es nicht einmal kannte. Oder wenn die Worte so schnell heraus mussten, dass sie sich dabei überschlug.
Viele Gespräche führte sie immer und immer wieder, in endlosen Schleifen. Passte hier und da ihre Ausdrucksweise an, interpretierte Reaktionen, erhoffte sich Wendungen. Blieb ruhig und sachlich, wurde wütend, schrie und schlug um sich, brach zusammen – je nachdem, wonach ihr gerade war.
Stumme Sätze, die nur selten den Weg aus ihren Gedanken nach Außen fanden. Stumme Diskussionen, die sie mit Menschen führte, die nur ein Abbild dessen waren, was sie für die Realität hielt. Stumme Bitten um Hilfe, die nie einen Empfänger fanden. Stumme Wut, die nur imaginäre Zimmer verwüstete. Stumme Zusammenbrüche, die nie jemand sah.
Stumme und endlose Diskussionen, die sich im Kreis um sie selbst drehten.