Innere Stimmen

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Sie redete und redete. Diskutierte mit allen möglichen Menschen, denen sie tagtäglich begegnete. Konstruierte Sätze und Realitäten, immer von der Intention getrieben, anderen verständlich zu machen, was sie gerade dachte, wie sie sich fühlte und wie sie die Welt sah. Worte reihten sich in beinahe endloser Folge aneinander und ergaben mal mehr, mal weniger Sinn. Das Bedürfnis, sich mitzuteilen und dadurch vielleicht ein Stück weit besser zu verstehen, war schon immer ein Teil von ihr gewesen.
Manchmal bekam sie Kopfschmerzen davon, wenn sie Sätze begann, deren Ende sie nicht aussprechen wollte oder es nicht einmal kannte. Oder wenn die Worte so schnell heraus mussten, dass sie sich dabei überschlug.
Viele Gespräche führte sie immer und immer wieder, in endlosen Schleifen. Passte hier und da ihre Ausdrucksweise an, interpretierte Reaktionen, erhoffte sich Wendungen. Blieb ruhig und sachlich, wurde wütend, schrie und schlug um sich, brach zusammen – je nachdem, wonach ihr gerade war.
Stumme Sätze, die nur selten den Weg aus ihren Gedanken nach Außen fanden. Stumme Diskussionen, die sie mit Menschen führte, die nur ein Abbild dessen waren, was sie für die Realität hielt. Stumme Bitten um Hilfe, die nie einen Empfänger fanden. Stumme Wut, die nur imaginäre Zimmer verwüstete. Stumme Zusammenbrüche, die nie jemand sah.
Stumme und endlose Diskussionen, die sich im Kreis um sie selbst drehten.

1 Kommentar zu „Innere Stimmen“

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