31

Ein Raum. Ein geschlossenes System. Groß, aber begrenzt. Darin sah sie ihre Gedanken, ihren Geist schweben. Jeder ihrer Gedanken nahm etwas von dem Platz weg, der zwischen den zahllosen Schränken blieb, in dem sämtliche ihrer Erinnerungen eingelagert waren. Manche Schränke waren verstaubt, weil sie die Schubladen schon lang nicht mehr geöffnet hatte. Weiterlesen „31“ →

30

Lass mich (nicht) allein. Geh (nicht), geh (nicht) weg und lass mich bloß (nicht) in Ruhe. Ich will meine Rasierklinge (nicht), ich will mich (nicht) tief und oft schneiden.

Ich will (nicht) skillen, ich will (nicht) schneiden, ich stehe mir in meinem Kopf gegenüber und brülle mich an, es (nicht) zu tun. Ich will (nicht) schwach sein, ich will (nicht) zusammenbrechen, ich will (nicht) mein Blut sehen.

27.01.2018

29

Bergauf. Steil bergauf. Einen anderen Weg gab es nicht.

Schon seit einiger Zeit hatte sie keine Abzweigung mehr gesehen, die sie auf einem flacheren Pfad voran gebracht hätte. Stehen bleiben, verweilen, sich ausruhen und vielleicht sogar einen Blick auf die Landschaft werfen war keine Option. Während ihr der Schweiß den Rücken herunterrann und ihr brennend in die Augen lief, fragte sie sich zum tausendsten Mal, wie wohl das Ziel aussehen mochte, auf das sie hinlief. Und zum tausendsten Mal kam sie zu keiner Antwort, außer der, dass der Weg das Ziel war.

Das war absurd. Weiterlesen „29“ →

28

Mit Unwillen, ja Abscheu, sah sie das Kostüm an, das sie am Freitag achtlos in eine Ecke geworfen hatte. Zerknittert lag es am Boden, zusammen mit ihren Plänen und ihrer Hoffnung. Es passte ihr nicht so richtig. Schien viel zu eng, unbequem.

Und es war kein Superheldenkostüm, welches seinem Träger allein durch sein Überstreifen zu Superkräften verhalf. Ganz im Gegenteil. Es war so dünn, dass jeder Angriff direkt zu ihr hindurch drang und eine heftige Verletzung hinterließ. Weiterlesen „28“ →

27

Es war einfach eine Lüge.

„Natürlich will ich gesund werden.“ Gelogen.

„Natürlich will ich mich nicht mehr verletzen.“ Gelogen.

Zumindest empfand Schwarz das so. Aber sie wurde ja nicht gefragt. Nein, die anderen hatten ihr diese Sätze auferlegt, waren sogar einigermaßen überzeugt davon. Dass sie dabei Schwarz‘ Todesurteil unterschrieben, war denen doch vollkommen egal. Weiterlesen „27“ →