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Es war einfach eine Lüge.

„Natürlich will ich gesund werden.“ Gelogen.

„Natürlich will ich mich nicht mehr verletzen.“ Gelogen.

Zumindest empfand Schwarz das so. Aber sie wurde ja nicht gefragt. Nein, die anderen hatten ihr diese Sätze auferlegt, waren sogar einigermaßen überzeugt davon. Dass sie dabei Schwarz‘ Todesurteil unterschrieben, war denen doch vollkommen egal.

Sie wollten ihr das Einzige wegnehmen, was sie hatte. Was sie ausmachte. Die Dunkelheit. Eigentlich hoffte sie, dass Rot ihr zur Seite stand und sie unterstützte, aber seit einiger Zeit hielt sie sich ziemlich zurück. Also musste sie allein dadurch, wie schon so oft. Dabei machte es ihr Angst, so allein zu sein. Sie wusste nicht, wie sie sich hätte ausdrücken sollen, wenn sie jemand ansprach. Wie sie sein konnte, wer sie war, ohne mit Ablehnung gestraft zu werden. Ohne das Gefühl zu haben, unerwünscht zu sein und alles falsch zu machen.

Dabei gab es Dinge, die sie richtig gut konnte. Schreiben, zum Beispiel. Aber nichts, was die Anderen je hätten sichtbar werden lassen. Nichts, was Alltagstauglich wäre. Nichts, für das sie je Anerkennung bekommen würde. Und Beschützen konnte sie, vor Ent-Täuschungen bewahren, ablenken. Das war sogar ihre Bestimmung, davon war Schwarz überzeugt. „Gebt mir nur eine Klinge in die Hand, und ich werde es beweisen…“ dachte sie grimmig. Nein, sie dachte es nicht, sie schrie es. Laut, kreischend, so dass ihr Hals weh tat und ihr Tränen über das Gesicht liefen.

Die Anderen hörten nur ein leises Flüstern. Und logen. „Natürlich will ich mich nicht mehr verletzen.“

25.12.2017

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