Verschwiegen

Wenn ich es genau betrachte, liegt hier eine ganze Menge Zeug rum, was dringend aufgeräumt werden müsste. Altes, nicht so altes und neues Zeug stapelt vor sich hin und setzt Staub und Spinnweben an, während es im Weg rumsteht.

Aber ich betrachte es nicht genau. Ich stehe auf einer Stelle, kneife die Augen zusammen, bewege mich nicht und ignoriere das, was da um mich herum und vor sich hin liegt und staubt. Wenigstens kann ich so nicht umfallen.

Vielleicht.

Hulk

Seit 1 1/2 Wochen sitze ich nun überfordert vor meinem Leben, welches seit ziemlich genau einem Jahr unter Schutt und Asche in Scherben vor mir liegt.
Die Teile sind wild verstreut, dreckig und teilweise winzig klein. Ich habe das dringende Bedürfnis, etwas zu tun, ohne zu wissen, wo und wie ich eigentlich anfangen soll. Also suche ich mühsam und wenig strukturiert Stück für Stück aus dem Haufen heraus und versuche, das was ich finde irgendwie zu sortieren.
Vielleicht würde mir das sogar gelingen, wären da nicht andere, welche weder meinen unsortierten Sortierhaufen noch den Schuttberg sehen (können), die mir seither mit beeindruckender Effektivität wieder alles durcheinander bringen, mir den Kleber wegnehmen und Teile, die ich schon rausgezogen und zumindest bis zur Erkennbarkeit gereinigt hatte, wieder zurück in den Dreck kicken.

Seit Tagen schaue ich diesem Schauspiel nun zu – höflich bis freundlich lächelnd, funktionierend, unbeteiligt. Ignoriere, dass mein Körper nur auf eine Gelegenheit wartet, mir den Dienst endgültig zu verweigern. Zwinge ihn dazu, weiterzumachen, obwohl er lauthals Pause! brüllt und sehr kreativ darin ist, mir die Notwendigkeit einer solchen begreiflich zu machen.

Es fehlen einige Teile, die ich bisher nicht ausmachen konnte unter all dem Müll, der vor mir liegt. Ich habe den Verdacht, die Befürchtung, dass es sie bei dem großen Knall damals pulverisiert und irgendwo hin verweht hat.

Ich bin wütend, aber darf es nicht sein. Wütend auf Menschen, auf die ich nicht wütend sein darf. Wütend auf das, was passiert ist, ohne es ändern zu können. Wütend auf mein Leben, dass es einfach dort rumliegt und so durcheinander ist. Wütend auf mich, weil ich so viel verloren habe. Wütend auf meinen Kopf, der nicht mehr richtig funktioniert. Ich bin so unendlich wütend, dass ich mich selbst in Stücke hacken und neben die Scherben legen will, denn dann passt es wenigstens zusammen.

Nichts darf raus.
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Ich stehe am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und alles, was ich denke, ist: och, eigentlich könnte ich mich auch mal setzen.

Märchenpark

Gibts die eigentlich noch? In meiner Kinheit jedenfalls gab es sie. Kleine, vermeintlich schnuckelige (Wald-)Märchenparks für die ganze Familie, mit kleinen und großen Dioramen, mechanischen Figuren und Lautsprechern, aus denen das passende Märchen erzählt wurde.
Mein Bruder liebte es, meine Eltern waren ganz hingerissen und meine Großeltern ebenfalls. Ich fand sie immer … beklemmend … gruslig … mir fehlt das richtige Wort.
Mein Bruder und meine Familie sahen bunte Geschichten und freuten sich auf jeden Besuch. Für mich war es nicht mehr als ein Pflichtbesuch, und ich sah staubige, vernachlässigte Kulissen, durchgescheuerte Gewänder, hakende Mechanik und hörte dazu das Rauschen und Knistern der Lautsprecher. Ich wollte dort nie sein, aber als Kind hatte ich keine Wahl – oder traute mich nie, zu sagen, dass ich dort nicht hin mochte, weil ich sah, wie jeder funkelnde Augen bekam und ich dachte, dass ich nicht normal bin.

Staub

Märchenparks fielen mir erst vor ein paar Tagen wieder ein, eine Ewigkeit habe ich nicht mehr daran gedacht. Keine Ahnung, warum sie mir jetzt wieder eingefallen sind.