Gravitation

Rosa hält sich tapfer. Im Rahmen unserer Möglichkeiten leben wir so viel Essstörung wie möglich und fiebern dem noch nicht final, aber ungefähr definierten Entlasstermin entgegen. Derweil bilden Grau und Schwarz ein immer dunkler und mächtiger werdendes schwarzes Loch mit größtmöglicher Anziehungskraft. Ich lasse mich treiben, wohl wissend, dass ich in diesem Zustand langfristig nicht überleben werde.

Ich bin einsam, ein verlorenes Sternenstaubkorn in einem ansonsten leeren Paralleluniversum, kalt, dunkel und unbelebt. Ich lasse mich brav therapieren, weil man das wohl so macht in einer Klinik, und werde für Fortschritte gelobt, die es nur in meinen Erzählungen gibt. Und für mein – tatsächlich sehr umfangreich vorhandenes – Reflektionsvermögen. Natürlich weiß ich. Es ist ein Fluch.
All das zu wissen – zu wissen, dass mein Denken gerade essgestörter kaum sein könnte und (warum) mir jeglicher Sinn fehlt – hilft mir nicht. Vielmehr zeigt es mir auf, dass tatsächlich etwas fehlt – und es ist gleichermaßen verloren gegangen wie mir gewaltsam entrissen worden – und ich mich ernsthaft fragen sollte, ob ich es jemals zurück bekomme. Aber auch dazu fehlt mir jeglicher Antrieb.

Ich kann hier unmöglich länger bleiben. Ich kann unmöglich von hier weg. Ich bin verloren.

6 Kommentare zu „Gravitation“

  1. Liebe Flügelwesen,

    ich wollte dir zu diesem Eintrag unbedingt mehr geben, als nur ein „Gefällt mir“.
    Gefällt mir … kommt mir bei so tiefen und persönlichen Einträgen eh immer komisch vor. Ich Versuchs dann auf den schreib zu beschränken. Für mich ein „Gefällt mir“ als ‚es ist okay den Button zu drücken‘ zu autorisieren; oder so.

    In diesem Beitrag … spüre ich Zerrissenheit und irgendwie ganz viel Fuchs. Ich fühle ganz viel von mir und deshalb habe ich fast geweint. „Therapieren lassen, weil man das in einer Klinik wohl so macht“ – „Fortschritte, die es nur in meinen Erzählungen gibt“ – „zu wissen, dass mein Denken gerade essgestörter kaum sein könnte“ … Ich fühle dich … fühle dich so sehr.
    „Ich kann hier unmöglich länger bleiben. Ich kann unmöglich von hier weg. Ich bin verloren.“

    Weißt du, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, was ich dir sagen soll / kann / darf – wie auch immer. Ich sehe dich, lese dich. Ich fühle dich.
    Fühle dein Paralleluniversum, auch wenn ich in einem ganz anderen unterwegs bin.

    Und vielleicht kann ich gar nicht mehr sagen und muss dies auch nicht …

    Ich lese dich, Flügelwesen.
    Ich spüre dich, auch wenn ich in meinem ganz eigenen Paralleluniversum hänge.

    Gefällt 2 Personen

  2. Es fällt mir gerade schwer, etwas zu schreiben, aber ich möchte wie k.haosfuchs nicht nur ein Gefälltmir da lassen… Gibt es eventuell die Möglichkeit, diese Zerrissenheit und Verlorenheit anzusprechen? Könnte das eventuell hilfreich sein? :/

    Gefällt 3 Personen

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