Ein Flackern. Sie fand kein besseres Wort dafür, auch wenn es nur unzureichend beschrieb, was sie empfand.
Mal hell, mal dunkel, mal schnell, mal langsam. Und in einer Intensität, die sie schier verrückt machte.
Hell. Warm. Sie sah ihre Umgebung, das Grün, das Blau, einfach alles. Sie wurde fast geblendet, war aber auch euphorisiert und konnte gar nicht anders, als ihren Blick auf all das Schöne um sie herum zu richten. Intensiv, war die beste Beschreibung, die ihr dazu einfiel.
Dunkel. Kalt. Schwärze um sie herum, nur die entfernten Feuer erhellten den Horizont und zogen ihren Blick auf sich. Ihr Blick richtete sich automatisch nach Innen, auch wenn sie dort nur die eigene Dunkelheit mit fernen und nahen Feuern sah. Intensiv, wie die Helligkeit, aber durch die erzwungene Isolation noch so viel bedrohlicher.
Hell. Dunkel.
Ein ewiges und nervenzerreissendes Wechselspiel, dem sie sich hilflos ausgeliefert fühlte. Unberechenbar schien es nach seinen eigenen Regeln zu spielen – sie war nur Zuschauerin.
Und so sehr sie die Helligkeit genoss – genießen wollte – , so sehr ängstigte sie die Dunkelheit und die Erwartung derselben, so lange es hell war.
Ein Flackern. Und sie wollte, dass es endet.
Monat: Mai 2018
45 – Blown
Gestern nachmittag, als ich nach Hause kam, lag ein Brief von meiner Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in der Post. Eine Rechnung, wie sich herausstellte, vom neuen, dritten im Bunde, der eine orthopädische Leistung privat abgerechnet hatte. Soweit, so gut.
Jedenfalls stehen auf dieser Rechnung auch alle dort gestellten Diagnosen, die über eine Grippe hinausgehen. Viele sind das nicht, aber trotzdem hat mich irgendetwas daran aus der Bahn geworfen. Seit ich sie gelesen habe, habe ich Magenschmerzen, mir ist übel und ich habe leichte Atemschwierigkeiten. Ein Hoch auf die Psychosomatik. Weiterlesen
44 – Schmerz
Der Grat zwischen “ich kann nicht mehr“ und “ich will nicht mehr“ ist ein sehr, sehr schmaler, und ich balanciere darauf. Aber von oben, auf diesem Grat stehend, kann ich ein “ich könnte, wenn“ sehen, und es lässt mich fast auf der Stelle erstarren, zusammenbrechen. Fast, weil es zu sehr schmerzt, um still zu stehen, liegen zu bleiben.
Im letzten Eintrag schrieb ich – bzw. ein Teil von mir, wahrscheinlich eine Grau angefärbte Schwarz, vielleicht aber auch ein Teil Grün – , dass ich so viel von dem, was meine Thera sagt, schon zu wissen meine. Für Grau/Schwarz oder einen Teil Grün mag das stimmen; aber welcher Teil auch immer jetzt gerade mein Denken bestimmt, für den stimmt es nicht. Für den ist es eher ein “ich will es nicht wissen, weil es weh tut“. Und zwar richtig. Weil ich etwas ändern könnte, und es doch nicht schaffe. Weil es so einfach klingt, so logisch ist, und so unendlich schwer.
Hinschmeißen wäre die einfachere Lösung, aufgeben und sich auf eine der beiden Seiten recht oder links vom Grat fallen lassen. In der Ferne kein “ich könnte, wenn“ mehr sehen, sondern sich – vielleicht, vielleicht nicht – von irgendwem auffangen lassen.
Warum, verdammt, muss es so weh tun? Warum so anstrengend sein? Und warum ist es für andere selbstverständlich, während ich mich mit winzig kleinen Schritten, die mir wie ein kilometerlanger Hürdenlauf erscheinen, quäle?