73 – Hunger

Als ich am ersten Abend unseres Urlaubs mit Schatz auf der Terasse saß und auf unserem Tisch neben meinem heißgeliebten Ziegenkäse auch Tomatenmarmelade und frische Avocado lag, sagte – und meinte – ich: “ich glaube, ich kann wieder normal essen“.
Dass es doch nicht geht, merke ich seither jeden Tag. Das Frühstück besteht aus Joghurt mit Obst, weil ich mich zu den anderen leckeren Sachen morgens nicht durchringen kann. Dann den ganzen Tag nichts oder noch etwas Obst – bei den Ausflügen und Wanderungen merke ich, wie wenig Energie mein Körper hat. Ich sehne mich dann dem Abendessen entgegen, aber mein Körper schreit weiter “Hunger!“, auch wenn mein Magen nach ziemlich kleinen Mengen signalisiert, dass er voll ist und ich aufhöre, weil ich genau weiß, dass ich sonst Magenkrämpfe bekomme und mir schlecht wird.
Ich weiß, es ist zu wenig, was ich am Tag esse. Ich finde, es ist zu viel. Ich habe hier keine Waage, um mein Gewicht zu kontrollieren.

Iss doch einfach.

…denkt sich der eine Teil von mir. Der andere Teil zeigt mir einen Vogel und hungert lieber, statt wieder zum alten Normalgewicht zurückzukehren fett zu werden.

Ich will es nicht zum Problem werden lassen, weil es wichtigere Dinge gibt, um die ich mich kümmern muss sollte. Aber ich weiß nicht, ob es schon eins ist?

Leere.

In meinem Kopf, und bald auch wieder in meinem Magen. (K)Ein erstrebenswerter Zustand. ?.

50 – Isolation

Immer, wenn sie aufwachte, befand sie sich in dem gleichen Schwebezustand. In einer kleinen Blase, mit leerem Kopf und umgeben von ihren diffusen Gedanken. Die Welt, das Leben, lief um diese Blase herum, umgab sie, aber ließ sie nicht teilhaben. Ihr war es nur recht. Es interessierte sie nicht, was dort vorging, es war ihr egal. Egal, dass die Sonne schien, egal, dass es dort einfach weiterging.

Eine Explosion hatte ihr zuerst den Boden unter den Füßen weg gerissen, und sie dann in Brand gesetzt. Sie war verglüht, in einer Blase gefangen und dazu verdammt, mit leerem Kopf ihren Gedanken zuzusehen, die ihr beinahe jeden Blick nach draussen versperrten.

Sie verstand nicht, wie das hatte passieren können. Dass Menschen, oder diejenigen, die sich als solche ausgaben, zu so etwas fähig waren. Eine Existenz, und damit mehr als nur ein Leben, einfach zu nehmen und in die Luft zu jagen, ohne Rücksicht und mit einer Erklärung, die aus nichts anderem als Lügen bestand. Und sie wussten es, da war sie sich sicher. Sie wussten, dass sie aufgrund einer Lüge das Streichholz angezündet und den vorbereiteten Sprengstoff damit entzündet hatten.

Und dabei war sie eigentlich nur der Kolateralschaden. Nur ein, vielleicht sogar erhoffter, Nebeneffekt. Ein verglühtes, leeres Etwas, das in einer schwebenden Blase allein mit seinen Gedanken zurückblieb. Handlungsunfähig, unter Schock, leer und verbrannt.