Iteration

Es beginnt mit nicht unangenehmen Schwindel und hangelt sich über Synästhesien hin zum reinen Licht eines immerwährenden Sonnenaufgangs, der meine Seele umarmt. Weil sich aber auch Tage nach der zweiten Infusion keine weiteren Worte in meinem Kopf zusammenfanden, tat sich mein innerer Stuhlkreis bei der weiteren Bearbeitung eher schwer.


Dann aber folgen Nummer Drei und Vier mit neuerlich erhöhter Dosis und reduzieren mich auf reine Synapsenaktivität, auf Gedanken und Gefühle. Als mir die auch schon nicht mehr aktiv weiterverfolgte Assoziationskette um existenziellphilosophische Fragen endgültig entgleitet und alles zu noch mehr Licht und Wärme wird, schrumpfen die Worte unter der Last der Erinnerung immer schneller und taumelnder zu einer
riesenkleinen, flüsterschreienden
Buchstabenfolge.

Mama.


Vor dem Hintergrund meiner anfänglich ins weiße Rauschen geworfenen Fragestellung, wer ich eigentlich bin und sein will, mag diese Buchstabenfolge angesichts meiner Kinderfreiheit für Fragezeichen sorgen, jedoch gehört sie unanfechtbar zu dem, was mein Verstand bisher nur als diffuse Vermutung aus Erzähltem und Körpererinnerungen ziehen konnte.

Diese vierte Erfahrung definiert das Wort Intensiv einfach mal neu. Alte Einsamkeit und akute Körperspannung werden –  neben dem verzweifelten Widerhall (Mama!!!) – zu einer ganz neuen Dimension von Sehnsucht. 

Nummer Fünf, mit gleicher Dosis wie bei den letzten beiden Trips, kommt nicht mal in die Nähe dieser Tiefenwirkung. Es bleibt bei sachtem inneren Sonnenaufgangsflair – und frustriert mich enorm. Daher, auch wenn ich vom eigentlich angestrebten  Ergebnis bisher ausgesprochen wenig spüre und ein dreistelliger Betrag auf dem Preisschild steht, wird meine Ellenbeuge  um ein weiteres, dann vorerst aber letztes Loch reicher. Und ich hoffentlich um eine tiefgreifende Reise ins Wunderland.

Vertigo

Mein Belohnungs- & Suchtzentrum verneigt sich ehrfurchtsvoll vor dem K-Hole, während die Grenzen zwischen meinen Sinnen aufweichen und sich Körper in Licht auflöst.
Der Herr Psychiater ist so freundlich, mich bis auf die gelegentliche Kontrolle meiner Werte – Körper ist also doch noch da, so scheint es – einfach nur existieren zu lassen.
Die Hoffnung, zu einer derer zu gehören, bei denen schon nach ein oder zwei solcher Holes das eigentliche Loch weniger tief ist – (-*-=+, oder etwa nicht?!) – verschwindet fast ebenso schnell wie der Drehwurm nach dem entfernen der Nadel aus meinem Arm.
Und auch, wenn diese Erfahrung eine sehr spezielle ist, für die Horizonterweiterung eine nur unzureichende Beschreibung darstellt, frage ich mich, ob ich vielleicht die falsche Kandidatin für diese Art der Therapie bin oder halt einfach keine Depressionen habe. Ersteres erscheint jedoch angesichts der nicht verbalisierten Gedanken, für die mir zu einem Großteil einfach die Worte sowie die angemessene Verarbeitung fehlen, sehr viel plausibler. Und vielleicht findet sich in den nächsten Tagen eine Lexemsammlung, die für die drei noch folgenden Termine etwas mehr Erleuchtung bringt.