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Gestern war sie in einem schlechten Schwarzweißfilm gefangen gewesen. Viel zu dunkel, grobkörnig. Der Nieselregen lief ihr in den Nacken und ihren Rücken herunter, der schmale Pfad den schroffen Berg hinauf nahm kein Ende. Links und rechts wechselten sich Dornenbüsche mit tiefen Abhängen ab, in denen es nur Schwärze gab.
Mühsam setzte sie immer einen Fuß vor den anderen, weil der Weg zu schmal war, als dass sie hätte umkehren können. Der Wind fauchte ihr unablässig und eiskalt ins Gesicht, brachte sie ins straucheln. Ihr war schwindlig vor Kälte und Erschöpfung, sie bekam kaum noch Luft.

Heute war alles bunt, hell und hochauflösend. Die Sonne schien ihr ins Gesicht und wärmte sie angenehm, der leichte Weg vor ihr führte sie einen sanften Hügel hinunter. Die endlos erscheinenden grünen Wiesen waren voller Blumen, Insekten summten emsig umher.

Leichtfüßig setzte sie einen Schritt vor den anderen und freute sich auf die Landschaften, die sie in weiter Ferne erwarteten. Eine sanfte Briese wehte den Geruch von Natur und Meer und Freiheit zu ihr herüber, sie war trunken vom Leben. In tiefen Atemzügen sog sie all das Neue in sich auf.

Ob der nächste Tag Farbe haben würde, wusste sie nie.

08.10.2016

16

Es war dunkel um sie herum, als sie die Augen aufschlug. Sie wusste nicht, wie sie hergekommen war, aber sie spürte, dass sie in großer Gefahr war. Unter ihren Händen fühlte sie feuchte Erde, als sie sich hochstemmte. Irgendwo verfing sich ihr Haar, es roch modrig. Wald, schoss ihr durch den Kopf. Aber kein friedlicher, lebendiger Wald, dieser hier was anders. Neblig, zwielichtig, bösartig. Mit Kreaturen, die ihr nach dem Leben trachteten. Als sie das begriff, spürte sie Panik in sich aufsteigen. Sie wusste nicht, wohin, aber hier konnte sie auch nicht bleiben. Wer weiß, wie lange sie dort gelegen hatte, und wie nah ihre Verfolger in dieser Zeit schon gekommen waren? Sie rannte los, so schnell sie konnte, und fand sich nur einen Moment später schon mit dem Gesicht im Dreck auf dem Boden liegend wieder. Weiterlesen „16“

7

Sie wusste nicht, ob sie flog oder fiel. In einem unendlichen, winzigen Raum, durch strahlend helle Dunkelheit, wo die Stille brüllend laut war. Sie ertrank im Licht und füllte ihre Lungen mit Schwärze, in ihren Ohren rauschte die Zeit. Ihre rasenden Gedanken wanden sich in quälender Langsamkeit durch ihren Kopf. Oben ist unten ist oben. Helldunkel.

27.03.2015

6

Es war so unendlich laut, konnte das nicht endlich aufhören? Wimmernd sank sie in sich zusammen und hielt sich die Ohren zu, doch das Kreischen wollte einfach nicht leiser werden. Schwarz, alles schwarz um sie herum, doch die Schreie erzeugten grelle Lichtblitze hinter ihren Augen, die sie noch mehr verwirrten.

18.03.2015

4

Ein ganz normaler Tag. Auf einer grünen, frühlingsblühenden Wiese begegnet sie Menschen, Fremden und nicht so fremden, die sie mit blinden Augen ansehen. Manche gehen vorbei, manche verweilen einen Moment, doch keiner kann sehen. Sehen, was sie sieht, wenn sie ihre Augen schließt und ein normal Tag zum Untier wird.

Es hat zehn Beine. Mindestens. Und überall Stacheln und Zähne, allesamt scharf und gefährlich. So stellt sie es sich vor.

Wenn es will, kann es sich leise und unbemerkt anschleichen, sich zwischen ihren Gedanken verstecken. Weiterlesen „4“

1

Sie war sich sicher, schon einmal hier gewesen zu sein. Hier sah zwar alles gleich aus, aber ein Gefühl von Vertrautheit machte sich in ihr breit. Nicht, dass sie das in irgendeiner Form beruhigt hätte…sie hatte keine Ahnung, seit wann sie sich schon in diesem verwirrenden Labyrinth von scheinbar identischen Gängen befand, die sich zwar immer wieder kreuzten und endlos lang waren, aber niemals irgendwo hinführten, aber es musste lang sein.

Sehr lang.

Zu lang.

Dunkel erinnerte sie sich an die Zeit vorher und sehnte sich danach, wieder unbeschwert leben zu können, statt in diesem Wirrwarr gefangen zu sein, das ihr langsam jede Kraft raubte, aber so sehr sie auch nach einem Ausgang suchte, sie fand keinen. Weiterlesen „1“