Prothese

Auf dem Gartenstuhl vor mir liegt die Post, und darauf ein sehr haariges Fliegenbein. Die zugehörige Fliege dazu fehlt. Meine frisch rasierten Beine liegen ebenfalls auf diesem Stuhl, aber ich bin noch an ihnen dran.

Mir ist nach Alkohol, heute. Ich versuche zu verstehen, warum das so ist, aber ich zerschelle an den Möglichkeiten und deren fehlender offensichtlicher Relevanz, so dass nur das Verlangen zurückbleibt, eine Schicht Rausch zwischen mich und die Welt und meine Gedanken zu legen.

Ein bisschen bin ich wie dieses einsame Bein, denke ich. Weit entfernt vom Rest meines Seins.

Musik

Nimm mich mit, ich will mich in dir auflösen und nie mehr damit aufhören. Lass die Blase um mich herum niemals platzen, durchdring mich, lass mich fliegen und fallen und schweben. Sei um mich herum, in mir drin, überall. Nimm meine Gedanken und überlagere sie, radier sie aus, sei meine Gedanken. Sei alles.

Zerstreut

Dinge, die dringend gedacht werden wollen, geistern durch meinen Kopf. Aber ich denke sie nicht. Ich ignoriere sie, weil ich keine Zeit habe, so dass sie zerfallen und die einzelnen Buchstaben lose umherliegen und keinen Sinn ergeben, wenn ich hinsehe. Der Berg an Buchstabendurcheinander wird immer höher, und ab und zu lösen sich kleine Lawinen und rollen über mich hinweg.

Und wenn ich dann denke, da war doch was, was gedacht werden wollte – jetzt hätte ich Zeit, ist da nur Buchstabensalat, der sich am Boden festgetreten hat. Und meine Konzentration sagt zu mir, dass sie jetzt aber sowas von keine Lust hat, das alles zu sortieren und zu etwas sinnvollem zum Denken zusammenzubasteln. Also lässt sie es, während ich Salat denke und wieder einmal hoffe, dass der Tag bald ein Ende hat.