Ausgezehrt

Ich treffe mich mit einer Bekannten, die mal eine Freundin war. 7 Jahre, vielleicht länger, haben wir uns nicht gesehen, der Kontakt war irgendwann im Sande einer meiner depressiven Phasen verlaufen.
Sie trägt ein schwarzes kurzes Kleid, stelle ich fest. Und sie hat etwas zugenommen, aber auch das ist bloß eine wertfreie Feststellung, wie das schwarze Kleid. Und scheißegal.

Wir trinken Kaffee, weil halt Kaffeezeit ist und ich das vorgeschlagene Frühstück unter einer Lüge Ausrede abgelehnt habe. Wir unterhalten uns, stundenlang, und ich bin fasziniert von diesem rundlichen gesunden Gesicht, das nichts als Lebensfreude ausstrahlt, während ich zwischen jeder Zeile nur an Essen und dessen Restriktion denken kann. Am Ende gehen uns nicht die Themen, sondern die Zeit aus.

Irgendwann zwischendurch muss ich aufs Klo und mache dabei den Fehler, mich aus Versehen und mehr aus dem Augenwinkel heraus beim Hände waschen im Spiegel anzuschauen. Ich erschrecke, weil ich in tote Augen in einem leeren und fertiges Gesicht sehe, das unmöglich meins sein kann. Das muss das Licht sein, rede ich mir ein.

Aussichtslos

Warten auf den nächsten Termin. Warten auf die bisher ungestellten Fragen. Auf die richtige Uhrzeit zum Essen oder zum Sport. Auf das nächste Wochenende, die nächste Bettgehzeit und das Wundern, dass Körper immer noch mitmacht. Auf das nächste Mal Wiegen, das nächste Mal aufwachen, das nächste Mal Feierabend haben. Auf das Verschwinden von Cravings, auf Konzentration, auf Klickmomente.

Warten aufs Leben.
Rosa bleibt.