Tortur

Außer meinem nicht gerade leichten Fotorucksack schleppe ich auch noch Rosa huckepack mit mir rum. Sie macht sich verdammt schwer, und das mit voller Absicht, weil sie sauer ist, dass wir wegen einer blöden Wanderung heute keinen Sport machen. Immerhin konnte ich sie überhaupt dazu überreden, aber nur unter der Bedingung, keinesfalls vor 9 zu frühstücken und die Tour mit der neu entdeckten App zu tracken.
Tatsächlich habe ich mich beinahe sowas wie darauf gefreut, war ich doch dieses Jahr nicht nur wegen Corona, sondern vorallem wegen Rosa noch auf keiner längeren Fototour. Ziemlich schnell weiß ich dann allerdings auch ganz genau, warum ich das bisher so gehandhabt habe. Ich kann mich nur mäßig auf die so geile Umgebung konzentrieren, und jeder Schritt löst ein stärker werdendes, sich drehendes Echo in meinem Kopf aus. Körper mag nicht, und macht mir das auch sehr deutlich. Die Suche nach einer adäquaten Beschreibung für diesen Zustand scheitert am nicht vorhandenen Denkvermögen. Ich weiß nur, dass ich leer bin – physisch wie mental, wobei auch Letzteres keine angenehme Leere, sondern bloße Abwesenheit darstellt.
Die Steigung, die ich noch vor einem Jahr nicht einmal als solche bezeichnet hätte, bringt mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit, so dass sich selbst meine Arme irgendwann nurnoch wie in Eiswasser getaucht bewegen lassen.
Es ist 10, als wir das Erste unserer potentiell anvisierten Ziele erreichen und ich endlich meine halbe Brotzeit in Form von – aus Versehen – veganem und genau kalorienbegrenzten CookieDough, einer Möhre und ein paar Stückchen Apfel esse, deren Zuckergehalt einer Offenbarung gleichkommt, die Körper fast zu Tränen rührt.
Einen weiteren Schritt zu tun, der nicht Richtung Auto führt, scheint mir unmöglich, auch wenn Rosa angesichts der bisher angeblich verbrannten Kalorien fragend eine Augenbraue hebt und richtung Gipfel gestikuliert. Aber ich ignoriere sie – auch als sie darauf hinweist, ich könnte ja daheim dann noch richtigen Sport machen oder ins Studio fahren – und bin bei der Ankunft am Parkplatz nach den 10 Kilometern Wegstrecke derart fertig, dass ich im auf dem Heimweg fast einschlafe und den kurzen Einkauf nur mehr wie in Trance wahrnehme.
Nun hat das Sofa mich wieder, und nach der zweiten Hälfte CookieDough, weiteren Apfelstückchen und einem Salatplan fürs Abendessen ist Rosa zumindest damit versöhnt, dass wir wider Erwarten unsere Gesamttageskalorien nicht überschreiten und morgen wieder brav ins Studio fahren werden.

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