67 – Insomnia

Ich kann nicht schlafen.
Aus diesem Grund (und weil mein Mann drum gebeten hat, dass ich über Antidepressiva nachdenke) war ich gestern – ohne große Lust, hätte am liebsten schon im Vorfeld abgesagt – bei einer Psychiaterin. Zum zweiten Mal überhaupt (siehe hier) und zum ersten Mal bei dieser Ärztin, die mir also potentiell Psychopharmaka verschreiben sollte.

Vielleicht erwartete ich zu viel, als ich nach wenigen Minuten halbherziger “Anamnese“ vor die Wahl gestellt wurde: “Entweder Sie nehmen Variante A, zusammen mit etwas Anderem zum Schlafen, dann geht es Ihnen die nächsten 4 Wochen noch viel schlechter und ich müsste Sie wegen der Schlafmittel krankschreiben, oder Sie nehmen Variante B, können sofort schlafen und nehmen mindestens 5kg zu“.
Danke, dann nehme ich “ich kann nicht schlafen“. Hätte ich zumindest gerne gesagt, aber weil ich so nett feige bin, habe ich Variante B genommen und noch vor Erhalt des Rezeptes beschlossen, es nicht einzulösen.

Jetzt liegt es also mahnend in meiner Tasche. Eine Möglichkeit, dass es mir besser ginge und ich mal wieder richtigen, erholsamen Schlaf haben könnte.
Vielleicht hätte ich mich sogar für Variante A entschieden, wenn ich nicht jetzt frei hätte und den Inselurlaub dann vermutlich heulend im Bett verbringen würde (Orange lacht – als würde sie je zulassen, dass ich 4 Wochen krankfeiere).

Ich klammere mich daran, dass durch den Urlaub alles wieder gut besser wird. Und ärgere mich gleichzeitig, dass die Psychiaterin das Gleiche sagte und in meinen Ohren damit impliziert, ich sei nicht depressiv, sondern nur gestresst.

65 – Kotzen wäre auch mal schön

Eine Nacht, wie sie niemand braucht. Wir waren essen, gestern abend, aber ich weiß nicht, ob es wirklich am Essen liegt. Ich hatte einen Salat vom Buffet, der wirklich lecker war, aber eigentlich hatte ich keine Lust, essen zu gehen. Ein Freund ist zu Besuch, also bin ich ihm zuliebe mitgegangen, auch wenn ich den Abend lieber auf dem Sofa, bzw. viel früher als es dann gestern war, im Bett verbracht hätte.

Wieder daheim und endlich im Bett konnte ich nicht einschlafen, lag bis nach Mitternacht wach. Dazu bekam ich Kopfweh und dachte schon darüber nach, heute nicht arbeiten zu fahren, weil der Wecker näher und näher rückte. Aber ich wollte nicht schon wieder ausfallen in der Arbeit, also entschied ich, egal mit wie wenig Schlaf, doch arbeiten zu fahren. Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein, wurde aber gegen halb 4 wieder wach, weil mir so übel war.
Keine Ahnung, ob es wirklich der Salat war, oder doch eher Psychosomatik, weil sich mein Körper denkt, wenn er mich nicht mit Schlafmangel und Kopfweh vom Arbeiten abhalten kann, dann greift er halt zu anderen Methoden. Gewirkt hat sie jedenfalls – es gibt nur wenig, was ich fieser finde, als starke Übelkeit.
Kotzen wäre wahrscheinlich schön gewesen, aber das kann ich meistens – so auch diese Nacht – nicht. So sitze ich nun hier bei Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, weiterhin mit (etwas abgemilderter) Übelkeit, und sterbe fast am schlechten Gewissen, nicht Arbeiten zu sein.

Da sind sie wieder, meine States, die sich über mich streiten. Weil ich, faul und übertreibend, wie ich bin, schließlich hätte doch arbeiten gehen sollen. Die nächste Welle Übelkeit straft sie Lügen, genau wie die Tatsache, dass ich seltenst überhaupt in der Arbeit fehle und heute sicher nicht sehr produktiv wäre – sofern ich die 1-stündige Anfahrt überstanden hätte.
Aber vorletzte Woche bin ich auch einen Tag ausgefallen, und dann letztens die 1 1/2 Wochen erst!
Meine 150 Überstunden sprechen eine andere Sprache, kein Wunder, dass die nur einer der States berücksichtigt.

Ich habe das Recht, heute krank zu sein.

Vielleicht.

59 – Down

Wenn ich mir die Diagnosekriterien für die Schweregrad einer Depression anschaue, hänge ich gerade irgendwo am unteren Ende von “mittelschwer“. Vor 6 Wochen noch habe ich mich bei “leicht“ eingestuft, aber das scheint ewig her. Und gerade sieht es nicht so aus, als würde sich meine Hirnchemie von meinen Bemühungen, mir Gutes zu tun, sonderlich beeindrucken lassen.
Ich bin heute nicht arbeiten, habe mich – natürlich mit extremm schlechtem Gewissen, weil ich stehe ja noch – krank gemeldet. Ich habe kaum geschlafen und hatte schon die ganze Nacht Kopfschmerzen, die auch jetzt noch nicht nennenswert besser geworden sind. Aber auch, weil ich gestern schon dauernd grundlos hätte heulen können, und nur noch will, dass es aufhört und wieder besser wird.
Die Arbeit lenkt mich einerseits etwas ab und beschäftigt mein Hirn, andererseits fühle ich mich so dermaßen überfordert, dass ich nurnoch aufgeben möchte. Ich kann nicht denken, und will es auch garnicht.
Ich habe keine Lust auf irgendwas, und würde am Liebsten auch den Therapie-Termin absagen – so wie letzte Woche. Aus dem Bett eine Höhle bauen und für immer dort einziehen wäre toll.

Mitte Juli habe ich einen Termin beim Psychiater. Vielleicht versuche ich es doch mal mit Antidepressiva, denn ich glaube nicht, dass ich sonst “auf die Schnelle“ aus meinem Loch rauskomme. Und ich möchte es für Schatz ausprobieren, weil er mich darum gebeten hat, außerdem möchte ich für ihn wieder stabiler sein. Wenn ich weiter abstürze, reiße ich ihn mit, ob ich will oder nicht.

Auch deswegen sage ich den Therapie-Termin für morgen nicht ab. Ich möchte wissen, was beim Psychiater auf mich zukommt, und vielleicht macht es ja auch Sinn, dass die Thera sich mit ihm in Verbindung setzt – kenne mich da nicht aus.

Ich habe Schiss vor dem Psychiater-Termin. Dass ich (wieder) einen falschen Stempel aufgedrückt bekomme, dass die potentiellen Antidepressiva mich verändern, fett werden lassen, wirken, oder nicht wirken, weil ich mich bloß anstelle und garkeine Depression habe. -.-

48 – Scars & other illusions

Wie im vorigen Beitrag angekündigt, komme ich nicht umhin, etwas über meine SV-Narben zu schreiben.

Warum ich das tue? Aus einem steten Gefühl heraus, gar nicht “verdient“ zu haben, mich überhaupt als jemanden zu betrachten, der über SV oder Depression schreiben darf, weil ich mir das alles nur einbilde bzw. mich nur anstelle und bloß zusammenreißen müsste. Ich hoffe, wenn ich es hier (wie auch schon einige Male in meinem Tagebuch) schreibe, dass ich irgendwann verstehe und annehmen kann, dass es keine Einbildung oder “Anstellerei“ ist.

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