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Eigentlich wollte sie Tagebuch schreiben. Sie hatte dich den Stift, den sie so mochte, schon zurecht gelegt und ihr Tagebuch aus dem Versteck unter dem Bett hervorgeholt. Doch nun saß sie hier, und keiner der Gedanken in ihrem Kopf fand den Weg aufs weiße Papier, irgendwo auf dem Weg zwischen Kopf und Stift versickerten sie einfach.
Dabei wollte sie so viel loswerden. So viel hatte sich angesammelt in ihrem Kopf, so viele Gedanken riefen gleichzeitig nach ihrer Aufmerksamkeit, so dass sie keinem einzelnen genug davon widmen konnte. Durchs Schreiben, dachte sie, könnte sie etwas Struktur in das Chaos bringen, das ihr keine Ruhe mehr ließ.
Doch wie sollte sie einen Anfang finden? Sie konnte nicht, und die Tinte ihres Stifts hinterließ nur einen langsam immer großer werdenden Punkt auf dem bisher makellosen weißen Papier.
Ihr leerer Blick fand keinen Halt in der Welt. Sie spürte, wie eine einzelne Träne ihre Wange herunter lief und auf das Blatt vor ihr fiel. Auf das rote Papier, wo die Gedanken aus ihrem Kopf langsam aus ihrem Arm sickerten. Sie lächelte.

02.2015

2

Sie war verzweifelt, hatte Angst und schrie. Schrie um ihr Leben, so laut sie konnte, bis sie fast heiser war. Doch niemand half ihr, weil niemand sie hörte. Sie wusste, dass sie verloren war, wenn niemand kam und ihr die Hand reichte, sie festhielt, ihr Halt gab und sie endlich befreite, aber die Anderen gingen lächelnd vorbei, ohne sie auch nur wahrzunehmen. Sie brüllte und tobte, versuchte nach Kräften, sich selbst zu helfen, aber sie scheiterte. Immer wieder. Ohne es zu wissen drückten die Anderen sie zurück in ihr Gefängnis, traten ihr auf die Finger, wenn sie es geschafft hatte, den Rand zu erklimmen, schubsten sie zurück, wenn sie es ganz herausgeschafft hatte und traten drohend nach ihr, wenn sie einen neuen Versuch unternahm. So hatte sie aufgegeben, eines Tages, und weinte nur noch leise.

Manchmal, wenn es nicht mehr zu ertragen war, schrie sie wieder, die Hoffnung nicht aufgeben wollend, doch irgendwann Rettung zu finden, aber selbst wenn die Anderen sie leise hörten, glaubten sie nur der Stimme, die ihnen die angebliche Ursache erklärte. Sie glaubten blind, hinterfragten nicht, und sie wusste, dass dies eines Tages ihr Tod sein würde. Ihrer, ihrer Stimme, ihres Gefängnisses. Meiner. Denn ohne Seele kann ich nicht leben.

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Sie war sich sicher, schon einmal hier gewesen zu sein. Hier sah zwar alles gleich aus, aber ein Gefühl von Vertrautheit machte sich in ihr breit. Nicht, dass sie das in irgendeiner Form beruhigt hätte…sie hatte keine Ahnung, seit wann sie sich schon in diesem verwirrenden Labyrinth von scheinbar identischen Gängen befand, die sich zwar immer wieder kreuzten und endlos lang waren, aber niemals irgendwo hinführten, aber es musste lang sein.

Sehr lang.

Zu lang.

Dunkel erinnerte sie sich an die Zeit vorher und sehnte sich danach, wieder unbeschwert leben zu können, statt in diesem Wirrwarr gefangen zu sein, das ihr langsam jede Kraft raubte, aber so sehr sie auch nach einem Ausgang suchte, sie fand keinen. Weiterlesen „1“ →