Sehenden Auges

Es ist mir gänzlich unverständlich, dass ich auf der einen Seite sage – und es auch so meine -, dass ich etwas gegen die ES tun will, und auf der anderen Seite einfach genau so weitermache wie zu zuvor.
Mein Körper beginnt, natürliche weibliche Funktionen einzustellen, und ich bin stolz darauf, während ich gleichzeitig den Kopf über so viel Dummheit schüttle.

Heute lasse ich – wahrscheinlich, sofern ich es aushalte – zum zweiten Mal diese Woche Sport ausfallen. Wobei es eigentlich heißen sollte, dass ich meinen Muskeln und mir heute Regeneration gönne und deshalb einfach nur nicht zum Sport gehe, aber gut. Gestern erschien das sogar wie eine sinnvolle Entscheidung, heute springt der Gedanke pausenlos randalierend gegen die Gitterstäbe. Wie ich meinen Plan, künftig nurnoch 4 Mal in der Woche zum Sport zu gehen, umsetzen und ertragen soll, ist mir ein Rätsel. Hinzu kommt, dass wir uns heuteabend bei Freunden treffen und Pizza bestellen wollen. Eine absolut absurde Vorstellung, die in einem Salat enden und mich trotzdem den ganzen Tag beschäftigen wird.

5 Kommentare zu „Sehenden Auges“

  1. Tut mir sehr leid, dass die ES dich so stark im Griff hat. Ich sehe aber auch wie du kämpfst.
    Ich bin seit fast 25 Jahren anorektisch. Erst sehr akut, mittlerweile chronisch. Was bedeutet, dass ich versuche einigermaßen ein niedriges Normalgewicht zu halten….
    Sehr oft kippt es aber auch, vor allem wenn ich meine anderen Gefühle nicht aushalte, dann lenkt mich das vertraute „sicherere“ Kalorien zählen davon ab.

    Die Stabilität ist eben nur scheinbar, weil die Beschäftigung mit Kalorien, Essen, nicht essen und Bewegung von allem anderen ablenkt. Wobei das mit körperlichen Spätfolgen und der Tatsache, dass die Gefühle sich nicht dauerhaft wegschieben lassen teuer erkauft ist.
    10 Jahre keine Periode aufgrund von Untergewicht hat mir eine massive Osteoporose eingebracht mit dadurch bedingten Knochenbrüchen und nach der Hölle des Zunehmen müssen, kam die gesamte Symptomatik der kPTBS mit allem drum und dran zurück. Mal davon abgesehen, dass mit zunehmendem Untergewicht und Kraftlosigkeit auch oft eine Depression um die Ecke prescht.

    Sorry, dass ich das und so ausführlich schreibe, aber du begibst dich auf einen extrem gefährlichen und letztlich nicht erfolgversprechenden Weg. Sei mir mir also bitte nicht böse……..

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    1. Hallo katzenherz, danke für deinen ausführlichen Kommentar, ich bin dir ganz und garnicht böse! Es ist gut, wenn der gesunde Teil in mir diese Dinge liest und daraus Kraft und Motivation ziehen kann. Es tut mir so leid, zu lesen, wie krass eine ES sein kann und wie schwer der Weg wird, wenn man ihn zu lange geht.
      lg Flügelwesen

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  2. Liebes Flügelwesen – mir geht es gerade sehr ähnlich: ich sage, ich will aus der Essstörung raus kommen, habe aber gleichzeitig das Gefühl nicht wirklich etwas dafür zu machen. Aber weißt du, vielleicht ist es ein normales Gefühl? Vielleicht wird es irgendwann ein Salat mit gegeilten Pizzastangen oder eben eine halbe Pizza ohne Käse und danach mehr. Es ist einfach ein verdammt langer und schwieriger Prozess!
    Tatsächlich hat eine Freundin heute etwas unglaublich aufbauendes zu mir gesagt: „Es ist okay, stehen zu bleiben und nicht voran zu kommen, solange du merkst, dass du dich nicht mehr bewegst und dir zumindest vornimmst, später weiter zu gehen. Und wenn es gerade so ist, dann ist es vollkommen okay so.“ Ich weiß nicht, ob dir das gerade hilft, mich hat es heute wieder total aufgebaut.

    Ganz liebe Grüße!

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    1. Danke auch für deinen Kommentar! Tja, oft fühlt es sich so an, als ob ich nicht einmal wollen würde. Ich sage es, aber tue ich es auch? Ich weiß es nicht… Jedenfalls, gestern war ich dann doch beim Sport, dafür gehe ich heute nicht, weil wir einen Ausflug machen werden.
      lg Flügelwesen

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      1. Nun, alleine dadurch, dass du sagst, dass du kämpfen möchtest, wird dieser Gedanke in deinem Kopf eingeprägt. Und Gedanken bestimmen die Wahrnehmung und die Handlung.
        Was jedoch nicht heißt, dass es automatisch besser wird, nur wenn man es sich wünscht.

        Wenn du den Gedanken hast, du würdest es vielleicht gar nicht wollen, kannst du ja versuchen zu hinterfragen, was genau dahinter steckt: die Essstörung, die dir irgendwas einredet, Gewohnheit, Angst vor Veränderung, … Vielleicht hilft das Erkennen schon weiter, um sinnvolle Argumente für dich und gegen die Essstörung zu finden

        Alles Liebe

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