12

Das System war außer Kontrolle – aus den Fugen geraten, kippte in eine gefährliche Richtung. Schwarz brüllte, schrie und tobte, ohne dass einer der anderen etwas dagegen tun konnte. Gelb hielt sich sowieso aus allem raus und saß mit baumelnden Füßen und einem Jojo am Rande der Szenerie. Grün hatte aufgegeben und stand nur stumm und ein wenig ratlos in der Ecke, weil Schwarz auf niemanden hören wollte. Weiterlesen „12“

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Sie sagt: Mir geht’s nicht gut.
Er antwortet, er habe auch irgendwie Kopfweh.

Sie sagt: Ich kann nicht mehr.
Er antwortet, er sei auch irgendwie müde.

Sie sagt: Ich will nicht mehr.
Er antwortet, er brauche auch irgendwie mal Urlaub.

Als er ihre blutenden Arme sieht, fragt er: Warum hast du denn nichts gesagt?

11.04.2015
in Erinnerung an eine vergangene Zeit

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3

Eigentlich wollte sie Tagebuch schreiben. Sie hatte dich den Stift, den sie so mochte, schon zurecht gelegt und ihr Tagebuch aus dem Versteck unter dem Bett hervorgeholt. Doch nun saß sie hier, und keiner der Gedanken in ihrem Kopf fand den Weg aufs weiße Papier, irgendwo auf dem Weg zwischen Kopf und Stift versickerten sie einfach.
Dabei wollte sie so viel loswerden. So viel hatte sich angesammelt in ihrem Kopf, so viele Gedanken riefen gleichzeitig nach ihrer Aufmerksamkeit, so dass sie keinem einzelnen genug davon widmen konnte. Durchs Schreiben, dachte sie, könnte sie etwas Struktur in das Chaos bringen, das ihr keine Ruhe mehr ließ.
Doch wie sollte sie einen Anfang finden? Sie konnte nicht, und die Tinte ihres Stifts hinterließ nur einen langsam immer großer werdenden Punkt auf dem bisher makellosen weißen Papier.
Ihr leerer Blick fand keinen Halt in der Welt. Sie spürte, wie eine einzelne Träne ihre Wange herunter lief und auf das Blatt vor ihr fiel. Auf das rote Papier, wo die Gedanken aus ihrem Kopf langsam aus ihrem Arm sickerten. Sie lächelte.

02.2015