Sackgasse

Wenn es so weitergeht – wie soll es dann weitergehen?

Ich bin nicht arbeiten heute. Beschlossen habe ich das gestern schon, ohne zu wissen, ob es so besser ist, oder ob nicht ein geregelter Tag eigentlich das wäre, was jetzt richtig wäre. Aber nichts ist richtig zur Zeit.
Nicht, dass ich an vier von sieben Abenden einer Woche angetrunken bin. Nicht, dass ich es gerne an sieben Abenden und auch noch ein bisschen öfter wäre. Nicht, dass ich immer gereizt bin, und nicht, dass ich entscheidungsunfähig bin. Nicht, dass mir alles egal ist, und nicht, dass ich mich in Stücke hacken möchte. Nicht, dass ich nicht ans Telefon gehen kann, und nicht, dass mein Tinnitus Party feiert. Nichts davon ist richtig oder ergibt irgendeinen Sinn.
Schwarz bettelt, ich sollte all das meinem Hausarzt erzählen und ihn die Entscheidung treffen lassen dass ich bloß ein Simulant bin, der nur ein paar freie Tage erjammern will. Bloß keine Verantwortung mehr tragen. Grün sagt, dass ich übertreibe und mich anstelle. Und Grün hat Angst, dass der HA genau das bestätigen könnte. Orange wird panisch, weil ich nicht arbeiten bin – gerade jetzt, wo die Hütte brennt. (Meine Hütte brennt auch – aber das interessiert keinen, mich ja irgendwie auch nicht, oder doch, so halb halt… ach, keine Ahnung).

Ich weiß nicht, was ich will. Ich sitze in meiner immer enger werdenden Sackgasse und will überhaupt etwas wollen wollen. Glaube ich. Und jemanden, der mir sagt, was ich tun soll.

Im Kreis

Fieber ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass etwas nicht stimmt und mein Körper Ruhe braucht. In so einem Fall steht es außer Frage, dass ich nicht arbeiten gehe, sondern zuhause bleibe und ggf. auch zum Arzt gehe.

Bei einer Erkältung wird es schon schwieriger. Vielleicht gehe ich dann mal früher heim. Und ganz vielleicht bleibe ich sogar mal einen Tag zuhause. Zum Arzt? Nö. Nur im Ausnahmefall.

Und wenn mir mein Körper nun – neben den psychischen Symptomen – Schwindelanfälle, Atemprobleme, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten um die Ohren haut? Nehme ich zwar all das wahr, aber deswegen nicht arbeiten? Oder gar zum Arzt? Ein Teil von mir wünscht sich nichts sehnlicher. Der andere, stärkere Teil dagegen schüttelt energisch den Kopf, verweist auf berufliche Termine und Verpflichtungen und schleppt sich durch den Tag. Verletzt, und sich sorgend, andere könnten meinen Zustand nicht ernst nehmen. Meinen, dass ich mich bloß anstelle und gefälligst zusammenreißen soll.
Und heute war da plötzlich eine mögliche Antwort auf die Frage in meinem Kopf, warum es mir so wichtig ist, dass andere (ausgewählte) Personen meinen Zustand ernst nehmen. Weil ich mich selbst nicht ernst nehme… Ich schreibe zwar, es geht mir nicht gut, aber ich sage es nicht und erhalte keine Rückmeldung, also ist es nicht real. Alles Einbildung. Ein Teufelskreis. Oder lächerlich. Weil ich mich nur anstelle.

An Apple a Day (*)

Arbeitgeberfreundlich, wie ich bin, lege ich meine fette Erkältung natürlich brav in meinen Urlaub – und hoffe ein bisschen, dass mich mein vielleicht-neuer-Hausarzt bei der morgigen Vorsorgeuntersuchung überredet, mich (rückwirkend) krankzuschreiben.
Jahrelang war ich nicht mehr körperlich krank, aber die letzten Monate haben wohl auch in meinem Immunsystem Spuren hinterlassen.

Heute Nachmittag werde ich noch die Befunde aus meiner alten Hausarzt-Praxis abholen und für morgen vor- bzw. aussortieren – den Schmarrn von der damaligen Psychiaterin werde ich wahrscheinlich weglassen.

Ich bin sehr gespannt, wie der Termin werden wird. Ich hoffe wirklich, dass es passt und er mich noch für mindestens eine Woche krankschreibt.

* Keeps the Doctor away heißt es ja. Ironisch, dass ich an 5 von 7 Tagen Äpfel esse. Naja, hat ja lange funktioniert…