67 – Insomnia

Ich kann nicht schlafen.
Aus diesem Grund (und weil mein Mann drum gebeten hat, dass ich über Antidepressiva nachdenke) war ich gestern – ohne große Lust, hätte am liebsten schon im Vorfeld abgesagt – bei einer Psychiaterin. Zum zweiten Mal überhaupt (siehe hier) und zum ersten Mal bei dieser Ärztin, die mir also potentiell Psychopharmaka verschreiben sollte.

Vielleicht erwartete ich zu viel, als ich nach wenigen Minuten halbherziger “Anamnese“ vor die Wahl gestellt wurde: “Entweder Sie nehmen Variante A, zusammen mit etwas Anderem zum Schlafen, dann geht es Ihnen die nächsten 4 Wochen noch viel schlechter und ich müsste Sie wegen der Schlafmittel krankschreiben, oder Sie nehmen Variante B, können sofort schlafen und nehmen mindestens 5kg zu“.
Danke, dann nehme ich “ich kann nicht schlafen“. Hätte ich zumindest gerne gesagt, aber weil ich so nett feige bin, habe ich Variante B genommen und noch vor Erhalt des Rezeptes beschlossen, es nicht einzulösen.

Jetzt liegt es also mahnend in meiner Tasche. Eine Möglichkeit, dass es mir besser ginge und ich mal wieder richtigen, erholsamen Schlaf haben könnte.
Vielleicht hätte ich mich sogar für Variante A entschieden, wenn ich nicht jetzt frei hätte und den Inselurlaub dann vermutlich heulend im Bett verbringen würde (Orange lacht – als würde sie je zulassen, dass ich 4 Wochen krankfeiere).

Ich klammere mich daran, dass durch den Urlaub alles wieder gut besser wird. Und ärgere mich gleichzeitig, dass die Psychiaterin das Gleiche sagte und in meinen Ohren damit impliziert, ich sei nicht depressiv, sondern nur gestresst.

55 – Grenzen

Meine körperlichen Grenzen kann ich beim Sport inzwischen gut einschätzen. Wenn ich z.B. auf meinen CrossTrainer steige, lasse ich meinen Körper entscheiden, wie schnell er heute radeln möchte. Klingt vielleicht esoterischer, als es ist. Meine Beine radeln los, und die erste Geschwindigkeit ist genau die, die ich an dem Tag gut durchhalten kann. Die letzten Minuten einer Trainingseinheit steigere ich dann bewusst das Tempo, denn ich möchte meine Ausdauer erweitern. Als ich mir den CrossTrainer gekauft hatte, wollte ich anfangs selbst über die Geschwindigkeit bestimmen, und quälte mich bloß. Jetzt habe ich diesen Modus gefunden, der wunderbar funktioniert. Und wenn ich mal nicht so schnell unterwegs bin, respektiere ich das.

Meine psychischen Grenzen meine ich ebenfalls zu kennen. Aber respektieren kann ich sie nicht, stattdessen bekämpfe ich sie. Nicht immer bewusst, aber mit einer Ausdauer, die mich nur kopfschüttelnd zurücklässt, wenn ich genauer darüber nachdenke. Zur Zeit fällt es mir besonders auf. Ich bin gerade “eigentlich“ nicht 100% belastbar – wenn es 50% sind, ist es wahrscheinlich schon viel. Sei es mengenmäßig (an Aufgaben, die ich scheinbar freiwillig übernehme = Druck), oder emotional (da ganz besonders). Zuhause achte ich zumindest ein bisschen darauf, aber in der Arbeit schaltet mein EgoState Orange auf Durchzug. Ignoriert meine immer lauter rauschenden Ohren, nimmt eine Schmerztablette nach der anderen (Kopf- und Rückenschmerzen), und gibt die üblichen 110%. Abends kann ich dann nur noch totmüde auf die Couch fallen und stecke mal wieder im Arbeiten-Essen-Schlafen-Hamsterrad.

Eine tagtägliche, selbstgemachte Grenzüberschreitung, aus der ich irgendwie nicht entkomme. Statt es allen anderen recht machen zu wollen, könnte ich damit mal bei mir anfangen…