Pharma

Den zweiten Tag in Folge die pharmazeutische Bremse in meine Synapsen zu integrieren, mag gestern durchaus eine berechtigte Notwendigkeit gewesen sein, dient heute dagegen eher dem wenig schmeichelhaften °weil ich halt Bock auf weiteren Fluff hab° Und ich liebs.
Der Mix aus Feier-, Urlaubs- und Arbeitstagen mit glücklicherweise geringsten familiären Verpflichtungen und vielen aus Überzeugung boykottierten und dennoch internalisiert nagenden gesellschaftlichen Erwartungen fordert trotz aufrechterhaltener Routinen seinen psychischen Tribut, dessen Aufarbeitung mir gerade nicht ferner liegen könnte.
Und so sehr auch °keine Lust° auf den ab morgen wieder regelmäßigen Wecker aus jeder meiner Hirnzellen trieft und mein Bewusstsein verklebt, herrscht die Hoffnung vor, dass es genau das ist, was ich brauche.

Seismik

Mentale Eskalationsstufen werden als Folge des seit Wochen bestehenden VerSpannungszustandes ausgerufen – der sich lästigerdings nicht nur in Körper manifestiert, sondern in munter potenzierenden cerebralen Verstrickungen seinen Ursprung fand – und gipfeln in einer angemessenen Portion Benzos, die die Arbeit an diesem Satz auf gute zwanzig Minuten ausdehnen und nicht garantieren können, dass er am Ende irgendeinen Sinn ergibt. Die zuvor getroffene Entscheidung, das Glüxbärchi ab morgen zu erhöhen, erscheint folgerichtig und mindert hoffentlich den – nicht ausschließlich, aber dennoch auch – ekliptisch bedingten Brainfuck auf ein erträgliches Maß.

Friktion

Der nur euphemistisch sanfte Wink mit dem Zaunpfahl aus Rosas Richtung hallt noch Tage später nach. Ungeachtet des jüngst wieder einmal nicht vorhandenen Zyklus streicht sie umgehend alle leichtsinnig nicht abgewogenen Portionen Obst und die eine baumfrische Walnuss am Tag, denn schließlich können wir es nicht tolerieren, dass jemand anderes plötzlich abnimmt und dafür Bestätigung erhascht – selbst wenn es aus einem °hierWertungsneutralenMehrgewichtsbegriffEinfügen° heraus geschieht. Meine vermutlich als woke zu bezeichnende Weigerung, andere Körper aufgrund ihres Aussehens zu kommentieren, kollidiert mit gesellschaftlichen Erwartungen und erzeugt zusätzliche Dissonanz in meinem Innern.
Das gemeinsam anberaumte Mittagessen samt anschließendem kleinen Event mit ebenjener Gesellschaft werden – zumindest in Teilen – unmöglich und führen zu inneren Verstrickungen, die sich nicht in richtig und falsch aufdröseln lassen. In allen bisher denkbaren Szenarien biete ich Angriffsfläche, die intern oder extern angesiedelt ist und deren Auswirkungen auf mein derzeit vulnerableres psychisches Befinden nicht etwa ungewiss, sondern ganz sicher schadhaft ist.

Flashback

Eine Körpererinnerung holt mich ein. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber so intensiv und beängstigend, dass sie mir nachhängt. Dabei ist es keine einzeln beschreibbare Situation, eher ein sich über rund 3 Jahre wiederholendes, vergessen geglaubtes gehofftes Gefühl voller Schwere und Abscheu. Ich kann keinen Auslöser identifizieren, also bleibt die Angst, dass es wieder passieren könnte und mir mit voller Wucht ins Gehirn tritt.

Akkadese

Ich gehe ins Bett – nicht, weil ich müde wäre (weil, Dauerzustand dieser Tage), sondern weil der Tag bitte enden soll. Das weiß aber der Tag ja nicht, also geht er noch munter weiter und mein Kopf sieht sich angesichts der Tatsache einer bloßen Lageänderung noch lange nicht dazu bewogen, abzuschalten. Im Gegenteil, er nutzt die Reizarmut der Umgebung aus und füllt die Dunkelheit sehr ausgedehnt mit sehr vielen ausschließlich monochromen Möbius-Gedankenschleifchen, imperatives Verstrickungspotential inbegriffen.
Der Versuch, einfach positiv zu denken, fühlt sich auch am nächsten Morgen ziemlich gescheitert an, als ich die Rückenschmerzen, die mich nach zu langer Bettzeit aus dem Bett zwingen, als einzigen, aber immerhin vorhandenen Grund betrachte, aufzustehen.
Überfordert vom Inhalt meines Kopfs, der mich ununterbrochen mit Szenarien, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten bombardiert, frage ich mich, wer am Ende wen manipuliert und ob meine unausgesprochene, aber gelebte Weigerung weiterer Therapien am Ende nur ein Vorwand ist, um egoistisch und anders bleiben zu dürfen. Darunter mischt sich die Frage, ob und wie ich morgen – und den Rest der Woche – arbeiten gehen soll und was wohl noch so lustiges in meinem Kopf passiert, wenn ich es tue oder lasse oder ach ich weiß auch nicht.

Divergenz


Das bemerkenswert erfüllende Gefühl, eine Krankmeldung bis einschließlich heute in der Hand zu haben, ist in seiner Amplitude ziemlich identisch mit dem schlechten Gewissen, eine Krankmeldung bis einschließlich heute in der Hand zu haben. Leider tun mir beide nicht den Gefallen, destruktiv miteinander zu interferieren.
Ähnlich verhält es sich mit meinem geradezu schmerzhaft intensiven Bedürfnis nach Verbindung und den inzwischen wiederhergestellten mehreren hundert Kilometern – nicht nur – physischer Distanz, die nicht annähernd auszureichen scheinen, um in so etwas ähnliches wie Gleichgewicht zu kommen.

Ambivalenz ist ein Arschloch.