Weil halt

Eigentlich wollte ich diese Woche meinen Blog nicht so inflationär nutzen, wie ich es gefühlt die letzten Tage getan habe. Pläne. Das Universum lacht.

Der erste Seminar- und damit Hoteltag ist um. Viel später, als ich gehofft – und mir vorgenommen – hatte. Zuviel Essen, zu wenig Alkohol.
Ironisch, dass die Kollegin, die etwa 3-mal so viel wiegt wie ich, am Nachmittag, nachdem ich mit leicht schlechtem Gewissen den Rest meines Mittagsjoghurts auf meinem kurzen Zwischenstopp im Zimmer gegessen habe, sagt, sie habe “jetzt mal einen Keks und damit das erste überhaupt an diesem Tag“ gegessen. Und am Abend, als es nach 21 Uhr endlich Abendessen und Nachtisch gibt (normalerweise liege ich um die Zeit schon im Bett) nur ihre halbe Portion und keinen Nachtisch isst, während ich gefühlt eine Million Kalorien in mich reinschaufele (ich hätte halt doch nur den Salat nehmen und mir doofe Kommentare anhören sollen, statt den verdammt leckeren Bratling auf viel zu öligem Gemüse) und anschließend den ersten Süßkram Nachtisch seit der Ausnahme an Silvester fresse.
Und das Training der letzten Zeit führt dazu, dass auch die Weinschorlen und der Ramazotti weit weniger bewirken, als sie es vor einem Jahr getan hätten.

Am Schlimmsten ist aber, dass ich mich nach diesem Gelage nicht so schlecht fühle, wie ich meine, dass ich es gefälligst sollte. Natürlich habe ich nicht gekotzt, weil ich es nicht kann, aber ich habe es nichtmal versucht.

Klar ist jedenfalls, dass ich morgen nicht zum Frühstück gehe und es bei Kaffee belasse. Und Mittag hoffe ich auf ein (Salat-)Buffet und noch mehr Kaffee.

Btw., mir ist klar, dass meine Kollegin wahrscheinlich (m)ein invertiertes und damit ähnlich ungesundes Körper- wie Essproblem hat. Ist beides scheiße.

Einen Versuch war es wert

Nicht.
Gestern. Der Kaffee ist alle, der Cursor blinkt, aber meine Finger tippen keine Worte mehr. Ich fahre den Laptop herunter, bringe meine leere Tasse zur Spüle und gehe zur Toilette. Krame im Medikamentenschrank nach dem verschreibungspflichtigen Muskelrelaxans, das bei mir Watte im Kopf verursacht, und nehme eins. Komme aus dem Bad, nehme meine leere Tasse und fülle sie fast zur Hälfte mit Kräuterlikör und Obstbrand. Setze mich aufs Sofa, schalte den Fernseher ein und trinke in langsamen Schlucken. Lecker ist es nur am Anfang.
Die Wirkung von beidem potenziert sich, mein Kopf geht endlich aus. Nein, kein Filmriss, aber das früher als so unangenehm empfundene Gefühl des Schwindels und der falschen Leichtigkeit breitet sich – sehr langanhaltend – aus und ich genieße es.
Der erste Dämpfer? Als ich mein Abendessen esse, kommen die Geschmäcker nicht in meinem Kopf an, was mich ärgert, weil ich das wenige, was ich esse, wenigstens richtig schmecken möchte.
Der zweite Dämpfer? Sehr viel später. Ich liege im Bett und brauche Finalgon, um nicht durchzudrehen. Ich kann nicht schlafen, und mir wird kotzübel. So bleibt es eine ganze Weile, bis ich doch irgendwann unruhig einschlafe.
Meine Augenringe heutefrüh sprechen neben dem Kopfweh (das ich aber wirklich nur auf den schlechten Schlaf zurückführe) eine eindeutige Sprache.
Ich fühle mich schlecht und schuldig, weil ich mich doch dazu habe hinreißen lassen. Und ich ekle mich vor mir selbst, weil ich bitte nie nie nie ein Alkohol- oder Medikamentenproblem haben möchte. Und ich schäme mich, während ich das hier aufschreibe.
Aber vielleicht war diese Erfahrung nötig. Denn die Tabletten, die ich gestern schon in meine Kulturtasche für meine mehrtägige Dienstreise kommende Woche getan hatte, habe ich wieder rausgenommen, und meinen Plan, mir für abends irgendetwas zum Trinken zu besorgen, in ein wenig leckeres Essen(-gehen) und auf dem Hotelbett Musik hören umgewandelt.
Dann ist auch Scham ein Gefühl, das zu irgendwas gut ist.